Weltmädchentag – Warum belügen wir die Mädchen immer noch?

Heute ist Weltmädchentag, Girls‘ Day. Die UN twittert dazu: „Girls, you can do anything!“ Mädchen, ihr könnt alles machen! Das ist gut und aufmunternd gemeint, aber es stimmt einfach nicht. Denn selbstverständlich können Mädchen nicht alles machen. Nicht in Indien, nicht in China, nicht in den USA, nicht in der Türkei und nicht in Deutschland. Warum belügen wir die Mädchen immer noch?

Weltmädchentag – Warum belügen wir Mädchen immer noch? (Foto: Jevgenij Voronov/Unsplash; Grafik: Birte Vogel)

„Ihr könnt alles machen“ suggeriert, dass Mädchen nicht nur tatsächlich alles tun können, was sie wollen, sondern auch, dass sie alles schaffen und erreichen können, was sie sich wünschen oder vornehmen. Wenn sie nur wollen. Dabei wissen wir sehr genau, dass das in keinem Land dieser Erde stimmt.

Ist es dann fair, den Mädchen von heute zu sagen, dass sie alles schaffen können, wenn sie gleichzeitig von Geburt an darauf getrimmt werden, dass sie in erster Linie hübsch und leise sein sollen? Dass sie bloß nicht zu wild sein sollen, nicht frech und nicht vorlaut? Dass es besser ist, wenn sie davon träumen, Prinzessin zu werden, wie die Werbeindustrie es ihnen vorschreibt, anstatt Abenteurerin oder, Gott bewahre, die nächste Bundeskanzlerin?

Ist es fair, den Mädchen zu sagen, dass sie alles schaffen können, wenn sie in ihren Schulbüchern schon lernen, dass eine Frau sorgend am Herd steht oder Prinzessinnenkleider bügelt, während der Mann die Geldbörse zückt oder das Auto repariert? Ist es fair, wenn sie genau dieses Bild dann tagtäglich auch noch im Fernsehen sehen? Wenn ihre Religionen ihnen weismachen, dass Männer grundsätzlich am längeren Hebel sitzen?

Ist es fair, den Mädchen zu sagen, dass sie alles schaffen können, wenn sie in der Schule lernen, dass angeblich nur Männer gute Bücher und „Klassiker“ schreiben können, während „Frauenliteratur“ angeblich nicht in den Kanon gehört? Dass Männer angeblich die bahnbrechendsten Erfindungen gemacht haben, während die der Frauen verschwiegen oder als weniger „wert“ dargestellt werden? Ist es fair, wenn man Mädchen vorwirft, dass sie gut in der Schule sind und Jungen nicht? Dass ihnen mehr Unterstützung deshalb gar nicht zustünde? Ist es fair, wenn man einen Weltmädchentag zur beruflichen Förderung von Mädchen ausruft und dann auch Jungen teilnehmen lässt?

Ist es fair, den Mädchen zu sagen, dass sie alles schaffen können, wenn sie dann aber in der Ausbildung und im Studium häufig nur auf männliche Ausbilder und Professoren treffen? Wenn sie lernen, dass es o. k. zu sein hat, dass ihr Chef einen Kalender mit nackten Frauen als Deko in seinem Büro hängen hat? Ist es fair, wenn sie (und nie die Jungen) sich, wenn sie die Ausbildung oder das Studium abgeschlossen haben, bei Bewerbungsgesprächen erst einmal fragen lassen müssen, wann sie denn gedenken, Kinder zu bekommen? Ist es fair, wenn sie in Bewerbungsgesprächen für weniger kompetent gehalten werden als Jungen, selbst wenn sie bessere Noten haben?

Ist es fair, den Mädchen zu sagen, dass sie alles schaffen können, wenn sie dann im Beruf weniger Geld verdienen als Männer? Wenn sie seltener für ihre Arbeit ausgezeichnet werden als Männer? Wenn sie auch nach der Arbeit überall nackte Frauen, aber fast nie nackte Männer als Werbe-Deko an Wänden, Autos, Lebensmitteln und in Zeitschriften sehen?

Ist es fair, wenn sie sich nun plötzlich wie Männer nennen müssen, nachdem sie all die Jahre zuvor doch Meeeedchen und Prinzessin waren? Wenn sie nun gar nicht mehr in der Sprache vorkommen? Ist es fair, wenn ihnen bis heute gesagt oder suggeriert wird, sie seien irgendwie selbst schuld daran, dass sie von Männern verprügelt, vergewaltigt, verkauft oder gekauft werden?

Ist es fair, den Mädchen zu sagen, dass sie alles schaffen können, wenn sie bis heute die einzigen sind, die sich um Schwangerschaftsverhütung kümmern müssen, egal welchen Preis sie körperlich und seelisch dafür zahlen? Ist es fair, wenn sie nach der Geburt ihrer Kinder mangels Unterstützung (insbesondere seitens der Väter) noch immer ihren Job an den Nagel hängen müssen und sie keine Garantie haben, ihn nach der Elternzeit wiederzubekommen? Ist es fair, wenn Frauen bis heute den Großteil der Kindererziehung und des Haushalts übernehmen müssen?

Ist es fair, den Mädchen zu sagen, dass sie alles schaffen können, wenn sie für die Zeit der Kindererziehung keine angemessene Rente erhalten? Ist es fair, wenn sie bis heute gezwungen sind, sich um ihre Kinder zu kümmern und dafür gegebenenfalls den Job ganz oder halb aufzugeben und währenddessen und beim Wiedereinstieg Gehalts- und Rentenminderungen hinzunehmen, während die Kindsväter nicht einmal dazu gezwungen werden, wenigstens ihren finanziellen Anteil an der Kindererziehung zu leisten? Ist es fair, wenn das Sorgerecht in erster Linie immer noch den Müttern zugesprochen wird, sodass die gar keine Chance haben, in den Beruf zurückzukehren, während Väter allzu häufig gar nicht zur Verantwortung gezogen werden?

Ist es fair, den Mädchen zu sagen, dass sie alles schaffen können, wenn Medien und Industrien Frauen schon seit Jahrzehnten vorbeten, sie seien weder gut genug noch hübsch genug noch schlank genug noch sportlich oder blond genug – sie müssten sich unbedingt und täglich optimieren? Ist es fair, wenn Frauen für vermeintlich auf Frauen zugeschnittene Gegenstände wie Werkzeug oder Rasierer mehr Geld bezahlen müssen als Männer für vermeintlich „normales“ Werkzeug und „normale“ Rasierer?

Ist es fair, den Mädchen zu sagen, dass sie alles schaffen können, wenn es völlig egal ist, wie sehr sich eine Frau anstrengt, den Maßstäben der Gesellschaft zu genügen, weil sie am Ende doch immer noch vom Wohlwollen der Männer abhängt? Weil sie immer noch völlig anders behandelt wird als ein Mann? Weil eine freiwillige Frauenquote dazu führt, dass Männer diese einfach auf Null setzen? Weil Medien erfolgreiche Frauen permanent schlechtmachen, egal ob Skifahrerin, Schriftstellerin oder Präsidentschaftskandidatin?

Ist es fair, den Mädchen zu sagen, dass sie alles schaffen können, wenn Frauen Tag für Tag in den Medien lesen, hören und sehen müssen, wie Männer als Experten und in Heldenrollen dargestellt werden, aber Frauen kaum zu sehen oder zu hören sind – und wenn doch, dann in klischeehafter Darstellung oder nur zu 15 Prozent? Ist es fair, wenn Frauen, die mit über 50 Jahren Kinder bekommen, als unverantwortlich beschimpft werden, aber es als völlig o. k. angesehen wird, wenn ein Mann mit 60, 70 oder 80 Jahren nochmal Vater wird? Ist es fair, wenn Frauen in der Regel eine erheblich geringere Rente erhalten als Männer?

Ist es fair, all diesen Mädchen zu sagen, sie könnten alles machen? Und sie dann permanent gegen die Wand laufen und gegen die gläserne Decke stoßen zu lassen, weil sie natürlich immer noch nicht alles machen können und alles schaffen können? Und sie damit dann auch noch alleine zu lassen?

Warum verschaukeln und belügen wir die Mädchen immer noch? Warum belügen wir uns selbst immer noch?

Ist diese Lüge nicht sogar ein weiterer Hinweis darauf, wie wenig Mädchen und Frauen respektiert werden? Weil es anscheinend o. k. ist, ihnen etwas vorzumachen, ihnen vorzugaukeln, alles machen und schaffen zu können, sogar bereits gleichberechtigt zu sein, obwohl wir sehr wohl wissen, dass das nicht stimmt?

Warum kämpfen Frauen (und Männer) nicht endlich für eine 100%-ige Gleichberechtigung, um den Mädchen sagen zu können:

Du kannst heute noch längst nicht alles machen, was Jungen ganz selbstverständlich zugestanden wird, weil unsere Gesellschaft dich als Mädchen noch immer für weniger wert hält und weniger respektiert als Jungen.

Aber wir geben alles dafür, dass sich das sofort ändert. Schließlich steht es seit fast 70 Jahren im Gesetz.

Wir versprechen dir: wir werden die Generation sein, die das Gesetz endlich für dich in die Tat umsetzt. Damit du dann tatsächlich alles machen und schaffen kannst, was du dir wünschst und vornimmst. Mit gleichen Rechten und gleichen Chancen.

Das wäre dann zumindest ehrlich.

Birte Vogel

Birte Vogel ist freie Journalistin und Autorin und hat für ihre Arbeit mehrere Auszeichnungen erhalten. Sie schreibt Bücher und Texte für Unternehmen und sie coacht Sachbuchautor_innen von der Idee bis zum fertigen Buch. Mehr zu ihrer Arbeit gibt's auf https://nordsee-text.de. Möchtest du wissen, wie man ein Sachbuch schreibt? Hier gibt's zahlreiche Tipps: https://nordsee-text.de/magazin/.

22 Gedanken zu “Weltmädchentag – Warum belügen wir die Mädchen immer noch?

  1. „Wir versprechen dir: wir werden die Generation sein, die das Gesetz endlich für dich in die Tat umsetzt.“
    Liebe Birte, ich bezweifle, dass wir das schaffen. Sorry. Ich hatte mal gedacht, zu der o.g. Generation zu gehören, aber inzwischen bin ich mir nicht mehr sicher, dass meine Tochter (die inzwischen Anfang 30 ist) schon dazugehört und dass meine Enkelin (knapp 3) zu den Nutznießenden zählen könnte. Nein, in Wirklichkeit glaube ich nicht daran. Windmühlenflügel sind sehr mächtige Gegner.
    Immer noch kämpferisch, aber nicht besonders siegessicher
    Elke

    • Ich bin da auch nicht sehr optimistisch, Elke. Aber wenn es geht, dann nur mit Hilfe der Solidarität aller Frauen. Und dadurch, dass mehr Leute (Frauen!) aufbegehren. Sie nehmen einfach noch viel zu viel hin und sehen nicht, dass sie so stark wären, wenn sie sich nur mal zusammentun würden.

  2. Liebe Birte, sehr schön gesagt, danke! Ich denke, dass der Satz „ihr könnte alles machen“ nicht nur Ermutigung ist, sondern (wie Du sagst) auch krasse Leugnung des Sexismus. Dazu ist es aber auch eine explizite Botschaft an die Mädchen, dass es allein ihre Schuld ist, wenn sie nicht „alles machen“. Denn sie haben es entweder nicht ausreichend gewollt oder nicht ausreichend gekonnt. Wenn es keinen Sexismus gibt (denn das behauptet ja dieser verlogene Satz), dann hängt es einzig von der individuellen Qualifikation ab, was eine erreicht und dann.. ja dann ist leider bewiesen, dass Frauen halt die schlechtere Kunst, Wissenschaft, Politik, Literatur, Technik etc. machen, dass sie eigentlich in allem schlechter sind, selbst beim Putzen, Kochen oder in der Kinderaufzucht, denn neben der Dienstleistung im Alltag sind ja auch wieder Männer Starköche, Professoren für Pädiatrie oder Hygienebeauftragte. Es gibt also keinen Sexismus, ihr seid einfach nur nicht gut genug. Also, ich finde den Satz viel schlimmer als einfach nur eine verlogene Botschaft. Es ist eine ganz perfide Schuldzuweisung an die Opfer.

    • Das sehe ich genauso, liebe Sophia. Leider. Und ich sehe nicht, wie wir es (in meiner oder der Generation meiner Tochter) ändern können. Keine Ahnung, ob meine Enkeltochter und mein Enkelsohn es für ihre Nachkommen einmal hinbekommen werden.

    • Stimmt, Sophia, so kann man das durchaus interpretieren. Aber das mag ich den UN-Frauen nicht unterstellen, denn sie leisten normalerweise hervorragende Arbeit. Bloß ist dieser Satz wirklich fatal und macht vieles kaputt, was sie mühsam aufgebaut haben. Er zeigt aber, wie schwierig es ist, Sprache so anzuwenden, dass eben nicht die alten Klischees bedient werden, egal wie gut es gemeint sein mag.

  3. genau ! endlich ehrlich !
    // Du nimmst Dir aber auch Themen vor //
    sehr eloquent, Danke Birte.
    Und es ist mir ehrlich gesagt egal was da im GG von wegen Gleichberechtigung
    soz. geduldig steht.
    Ich will endlich Fairness.
    solidarische Grüsse

  4. Ja, das wäre ehrlich. Und fair. Denn Menschen zu belügen und ihnen ein inexistentes Paradies vorzugaukeln, ist keins von beidem.
    Allerdings habe ich leider erhebliche Zweifel, dass diese absolute Gleichberechtigung in den nächsten Jahren wirklich erreicht wird. (Ich habe gerade The Handmaid’s Tale gelesen und bin für den Moment einfach wirklich frei von jeglicher rosiger Zukunftsaussicht.^^)

    Liebe Grüße
    Sabrina

    • Bei Margaret Atwood wird mir ja schon beim Lesen des Klappentextes ziemlich pessimistisch zumute. Ich habe gerade „The Heart Goes Last“ hier liegen und traue mich noch gar nicht ran … ;-)

      Die Zweifel habe ich auch, Sabrina, noch bevor ich Atwood gelesen habe. Aber ich denke wirklich, das einzige, was uns weiterbringen kann, ist laute Solidarität – Demos und Streiks, die auffallen und die an den richtigen Stellen wehtun. Warum sollten immer nur die Pilot_innen der Lufthansa streiken oder Ärzt_innen? Es könnte ja auch einfach mal die Mehrheit der Bevölkerung sein.

      P. S.: Lies mal (wieder) „Lysistrata“ – dann wird Dir vielleicht etwas optimistischer zumute. ;-)

  5. p.s. habs gestern abend auf twitter gesehen :
    pink . angeleuchtete . Gebäude . (!!!)
    nenn mich k*tzendes Einhorn oder so.
    boah.
    #rosahellblaufalle
    .
    ich frage Dich hier einfach – machst Du morgen mit #WomenBoycottTwitter
    wg. Rose McGowan ?
    Ich werde morgen ganz klar von 0 – 24h kein Twitter lesen.
    solidarische Grüsse

    • Das mit dem Boykott habe ich gar nicht mitbekommen. Rose McGowan ist auch schon wieder zugelassen (angeblich war sie wegen einer fehlenden Telefonnummer gesperrt – ist klar). Worum ging es bei dem Boykott?

      Und was die Gebäude in Pink betrifft – ich finde das, ehrlich gesagt, gar nicht mal so schlecht. Klar, muss es wirklich Pink sein, ausgerechnet? Andererseits verbinden (auch dank der fleißigen Werbewirtschaft) viele diese Farbe mit Mädchen und erkennen das Symbol dann auch. Ich denke, es bekommt gerade dadurch eine große Reichweite – auch wenn der Sinn dahinter ja schon allein dadurch verwässert wurde, dass schon seit Jahren auch Jungen zum Girls‘ Day gehen. Es wird vielleicht gar nicht mehr lange dauern, bis er deswegen Future Day heißt, und die Mädchen wieder hinten runter fallen. Insofern sollen sie meinetwegen das ganze Land pink beleuchten, wenn dadurch die Botschaft endlich mal ankommt. Hat ja bei den Pink Pussy Hats auch ganz gut funktioniert.

  6. Okay, das ist keine zu große Einschränkung – aber wem hilft die Twitter-Abstinenz?! Nur so eine ketzerische Frage.
    Ich weiß auch nicht, was sonst zu tun ist.
    Immer wieder den Finger in die Wunde legen, vielleicht. Bei Leuten außerhalb der eigenen Blase. Und geduldig erklären, was frau meint, wenn frau von ungleich verteilten Chancen der Geschlechter spricht

  7. Danke!

    Bin gespannt, wann es den Welt-Unterhaltsverweigerer-Tag gibt, bei dem sich nichtzahlende „Väter“ gegenseitig auf die Schulter klopfen und Tipps austauschen, wie man(n), 18 Jahre lang fast 100.000 € sparen kann, ohne dafür belangt zu werden, während die Mütter doppelt und dreifach malochen und sich dafür auch noch von allen Seiten blöd anmachen lassen dürfen.

  8. @Birte „Insofern sollen sie meinetwegen das ganze Land pink beleuchten, wenn dadurch die Botschaft endlich mal ankommt. Hat ja bei den Pink Pussy Hats auch ganz gut funktioniert.“
    Danke – jetzt musste ich spontan lachen :)
    in dem Sinne, genau, es waren zuwenige pinke Strahler !
    und die Pussy Hats sind einfach fototechnisch prägnant und sichtbar; so ist es mir zumindest positiv beim Betrachten aufgefallen.
    (mit der Wiederhohlung von Klischees werden Geschlechtsrollenstereotypen halt auch jedes Mal verstärkt)
    p.s. Ironie ist ja generell schwierig, deshalb kann sie im web mit // oder IO (irony on/off) gekennzeichnet werden.
    .
    @Elke Speidel – wem nützt sowas ? naja, u.a. weniger Werbeinnahmen für Twitter (follow the money), weniger Klickzahlen (wie bei mir/Nicht-Twittern) und auch internationale Aufmerksamkeit, weil ja nicht „nur Frauen“ weltweit mitgemacht haben. wenn dann Twitter-Regeln endlich mal für Alle gelten würden. @jack hat ja schon reagiert …

    • Weniger Werbeeinnahmen (nützlich? hm! für wen?), weniger Klickzahlen (dito), mehr internationale Aufmerksamkeit (? wenn weniger passiert?) … Nun ja, vielleicht. Schwierig zu beurteilen.

  9. Liebe Birte,
    wie schon per Privatmail versprochen, hier noch mein Kommentar:
    Eine bemerkenswerte Entwicklung ist, dass inzwischen mehr Mädchen als Jungen Abitur machen, wenigstens in Nordrhein-Westfalen (http://www.focus.de/regional/duesseldorf/schulen-mehr-maedchen-als-jungen-haben-2016-abitur-gemacht_id_7032871.html).
    Und mehr Frauen als Männer nehmen ein Universitätsstudium auf (https://www.boeckler.de/52369.htm). Damit will ich nicht sagen, dass sich alles von alleine richtet, aber es tut sich was.

  10. Ein Welt-Jungentag ist ein genau so wichtiger Tag wie der (heutige, elfter Oktober) Welt-Mädchentag.

    .

    2018
    Sehr, sehr verborgen gibt es ihn sogar, ein sechzehnter Mai sei in Zukunft:

    “International Day of the Boy Child”, henceforth known as “International Boys‘ Day”

    On 22 January 2018, Dr Jerome Teelucksingh from Trinidad and Tabago, in the Caribbean sent a letter to government leaders and NGOs calling for the inaugural observance of the International Day of the Boy Child more commonly known as International Boys’ Day on 16 May 2018.

    internationalboysday.org/about-us/history/

    Jerome Teelucksingh

    sta.uwi.edu/fhe/history/JeromeTeelucksingh.asp

    (Bereits 1999 hatte Teelucksingh den International Men’s Day – Internationaler Männertag – zwar nicht erfunden, aber doch reaktiviert.)

    en.wikipedia.org/wiki/International_Men’s_Day

    2014
    Vier Jahre eher und (hier) von Ruanda aus publiziert, hatte der kenianische Schriftsteller Gitura Mwaura (Oktober 2014) diese Forderung explizit erhoben, soweit ich sehe ohne ein konkretes Tagesdatum zu nennen.

    Mind the boy-child, even as we promote the rights of the girl-child

    newtimes.co.rw/section/read/182069

    Gitura Mwaura

    en.wikipedia.org/wiki/Gitura_Mwaura

    2012
    Noch weitere zwei Jahre eher forderte die – auch als Kinderbuchautorin bekannte – Dr. Karin Jäckel einen solchen Tag ebenfalls explizit.

    „Ich fordere einen Welt-Jungentag, der die Jungen als ebenso wertvolle, stärkens- und schützenswerte Kinder wie Mädchen respektiert und würdigt und die speziellen Problemfelder für Jungen und junge Männer regional wie weltweit in den Fokus stellt.“

    karin-jaeckel.de/medien/pdf/Gedenktage_WANTEDJungentag1.pdf

    Karin Jäckel

    de.wikipedia.org/wiki/Karin_J%C3%A4ckel

    .

    Buchautorin Dr. Jäckel – Publizist Mwaura – Historiker Dr. Teelucksingh – eine beeindruckende Kette an Wegbereitern eines Weltjungentages.

    Begehen wir den 16. Mai eines jeden Jahres (für alle Jungen) nicht geringer achtsam als den 11. Oktober (für alle Mädchen).

    • Es gibt diesen Tag bereits, Yolanda: an jedem 3. Donnerstag im April (s. https://www.boys-day.de/). Davon abgesehen wurde bereits der Girls‘ Day vielfach zu einem „Zukunftstag“ gemacht, um die armen Jungen nicht zu benachteiligen. Dabei steht die Benachteiligung der Jungen und Männer in überhaupt keinem Verhältnis zu der Benachteiligung der Mädchen und Frauen, wie mein Artikel und alle anderen hier im Blog aufzeigen. Ich halte diese Maßnahme daher für absurd verfehlt. Denn es wird den Kindern ja nicht vorgeschrieben, in welche Berufe sie an diesem Tag reinschauen sollten. Stattdessen wählen sie immer noch viel zu häufig die alten rollen-„gemäßen“ Berufe, weil die anderen das ja auch machen.

      Wenn in dieser Gesellschaft tatsächlich ein Interesse daran bestünde, Mädchen und Jungen gleichberechtigt zu behandeln und ihnen genau gleiche Chancen zu geben, müsste das gesamte Bildungssystem sowie die Buchverlage, die Werbe- und die Spielwarenindustrie auf den Kopf gestellt und neuen Regeln unterworfen werden. Denn genau dort wird die Benachteiligung ja überhaupt erst verstärkt: durch die ewige Fixierung auf veraltete Rollen, die insbesondere die Mädchen benachteiligen, auch dadurch, dass sie den Jungs veraltete Rollenvorbilder einflüstern.

  11. Danke, wie gut tut es, das mal alles so aufgelistet zu lesen! Es ist so wichtig, sich immer wieder klar zu machen, dass es mit der Gleichberechtigung nicht weit her ist und wirklich noch viel passieren muss! Ich werde deinen Artikel verlinken und teilen!
    Und würde deine Seite gerne in meine Link-Liste aufnehmen!!
    Frauenstarke Grüße
    Elke Weigel

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