Über thea

thea ist …

  • … modetipp-, diättipp und haushaltstippfrei,
  • … nach Theanolte Bähnisch benannt
  • und beleuchtet den Sexismus und die Diskriminierung von Frauen in unserer Gesellschaft, speziell in den Medien, der Sprache und den ganz alltäglichen Details.

Wer ist Theanolte Bähnisch?

Theanolte Bähnisch war Deutschlands erste Regierungspräsidentin – und das in einer Zeit, in der die Frauen gerade erst wieder an die Kochtöpfe zurückgeschickt worden waren: 1946.

Wikipedia schreibt, sie war:

„die erste Frau in Deutschland, die das Amt eines Regierungspräsidenten bekleidete.“

Fällt dir etwas auf? Eine Frau bekleidete das Amt eines Mannes.

Sicher, bis dahin hatte es nur Männer in diesem Amt gegeben. Aber ist die männliche Besetzung des Amtes gottgegeben, Vorschrift oder gar nicht anders möglich? Und muss man es wirklich noch heute so bezeichnen? Könnte man es nicht, wie es Joey Horsley tut, so formulieren:

„Sie wird somit die erste Frau in Deutschland, die ein solches Amt innehat.“

Geht doch! Und fügt diese Formulierung irgendwem große Schmerzen zu? Ich behaupte mal: nein. Sie trägt jedoch zu einem veränderten Selbstverständnis von Frauen bei: weg von „die Frau übernimmt das Amt, das einem Mann zusteht“, hin zu: ein solch hohes Amt steht Frauen selbstverständlich genauso zu wie Männern.

Sprache kann wesentlich zur Gleichberechtigung beitragen

Sprache ist nicht nur ein klobiges Werkzeug, mit dem man sich irgendwie halbwegs verständlich machen kann. Man kann mit ihrer Hilfe Dinge genau so ausdrücken, wie man sie meint. Entweder meint man, eine Frau habe das Amt eines Mannes inne, oder man meint, eine Frau habe ein Amt inne. Ein meilenweiter Unterschied.

Sprache kann bei sorgfältiger Nutzung, ohne dass jemand benachteiligt oder jemandem geschadet würde, herkömmliche Bilder verändern und darüber auch das Denken. Also auch für uns Frauen mit diesem noch immer so wenig gleichberechtigten Status innerhalb unserer Gesellschaft. Sprache kann ganz wesentlich zur Gleichberechtigung beitragen.

Viele sind sich der Klischees und der Diskriminierung nicht bewusst

Ich bin Journalistin und beobachte tagtäglich, wie Frauen sprachlich und inhaltlich in der öffentlichen Diskussion immer seltener vorkommen – oder wenn doch, dann vor allem beladen mit Klischees, herkömmlichen und frauenfeindlichen Bildern und/oder Anweisungen zur Selbstoptimierung. Oftmals sogar von Frauen selbst so dargestellt. Warum? Darüber denken viele gar nicht nach.

Darauf angesprochen, sagen viele, sie seien absolut pro Gleichberechtigung, sind aber platt, wenn ich sie auf den Sexismus in ihren Texten, Bildern und ihrem eigenen Sprachgebrauch hinweise. Ihnen ist oftmals gar nicht bewusst, wie klischeehaft sie Frauen darstellen oder sogar sprachlich und inhaltlich diskriminieren. Weil es so alltäglich ist. Denn, wie die Professorin für Journalistik und Kommunikationswissenschaft Friederike Herrmann in einem Interview sagte:

„Auch Feministinnen sind unbewusst vom Patriarchat geprägt, stecken darin fest und reproduzieren es über Sprache und Szenen.“

Darum gibt es thea. In der Hoffnung, nicht nur Kolleg_innen, sondern auch Leser_innen darauf aufmerksam machen zu können, dass da noch sehr viel mehr geht in Sachen Gleichberechtigung. Angefangen bei der Sprache, bei den Medien und dem öffentlichen Bild.

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6 thoughts on “Über thea

  1. Liebe Birte,

    ich bin ohnehin nicht die Vorzeige-Feministin – bzw. ich fühle mich eigentlich ganz wohl in der derzeitigen Welt und nicht ständig diskriminiert — das mag aber auch an meinem Jahrgang liegen (1957).

    Von daher ist mein Kommentar vermutlich nicht sooo relevant – aber was mich stört, ist [Zitat] „Darauf angesprochen, sagen viele, sie seien absolut pro Gleichberechtigung, sind aber platt, wenn ich sie auf den Sexismus in ihren Texten, Bildern und ihrem eigenen Sprachgebrauch hinweise. Ihnen ist oftmals gar nicht bewusst, wie klischeehaft sie Frauen darstellen oder sogar sprachlich und inhaltlich diskriminieren. Weil es so alltäglich ist.“ [Zitat Ende]

    Das heißt doch, wenn frau sich nicht diskriminiert fühlt, ist sie nur zu doof, um die Diskriminierung zu erkennen? Das erinnert mich an ähnliche psychiatrische Ansätze, bei denen (vereinfacht dargestellt!), die Diagnose eines psychischen Traumas gestellt wird, wenn Patienten sich nicht an dieses Trauma erinnern – weil sie eben dieses Trauma verdrängen. So wird das — m.E. auch hier– zu einer Self Fulfiling Prophecy, die man per se nicht negieren kann. Denn wenn man was auch immer abstreitet oder, neutraler, verneint, gilt genau diese Verneinung dann als Symptom für die Verdrängung der – hier – Diskriminierung.

    Schöne Grüße

    Elke

    • Liebe Elke,

      „Das heißt doch, wenn frau sich nicht diskriminiert fühlt, ist sie nur zu doof, um die Diskriminierung zu erkennen?“

      nein, das heißt es nicht. Ich hatte geschrieben:

      „Ihnen ist oftmals gar nicht bewusst, wie klischeehaft sie Frauen darstellen oder sogar sprachlich und inhaltlich diskriminieren. Weil es so alltäglich ist.“

      Sich einer Sache nicht bewusst zu sein, hat nichts mit Doofsein zu tun. In den von mir hier angesprochenen Fällen war es so, dass die betreffenden Journalist_innen ihr Werkzeug, die Sprache, nutzen, ohne sich beim Schreiben bewusst zu machen, welche Wirkung ihre Worte haben oder welche Aussage sie damit treffen.

      Ein typisches Beispiel: eine Journalistin schrieb einen Artikel, in dem sie immer nur von „dem Nutzer“ und „dem Abonnenten“ sprach. Das Blatt, in dem der Artikel erschien, wendet sich aber nicht nur an Männer, sondern an alle Geschlechter. Ich fragte sie daraufhin, warum sie sich für den männlichen Singular entschieden hatte, statt z. B. den etwas neutraleren Plural zu wählen, der weder die grundlegende Aussage verändert noch den Artikel sprachlich entstellt oder ihm zu viele Zeichen hinzugefügt hätte, aber die Frauen sprachlich wenigstens nicht völlig ausgeschlossen hätte.

      Das heißt, ich unterstelle nichts vorauseilend und pauschal, so wie Du es mit Deinem Trauma-Beispiel andeutest, sondern ich frage immer wieder mal stichprobenartig nach, warum die Kolleg_innen bestimmte Worte oder Wortbilder benutzen. I. d. R. erhalte ich die gleiche Antwort wie in diesem Beispiel: dass sie diese Wortwahl gar nicht bewusst getroffen haben. Das mag bei anderen ganz anders sein, aber bei denen, die ich gefragt habe, war es so.

  2. Liebe Birte Vogel, gratuliere zu Ihrem Blog Thea – ich stiess zu fällig darauf, als ich über Metager zur Autorin von Dornenvögel recherchierte und die Nachricht von diesem skandalösen Nachruf fand: das wuerde sich in der Tat bei einem Mann keine(r) trauen. Ich schickte den Link an meine Freundin Senta Trömel-Plötz, die Ende der 70er Jahre die Feministische Linguistik in Deutschland einführte und längst wieder in den USA lebt, weil ihr durch ihre Arbeiten eine Unikarriere hierzulande verwehrt wurde (wie auch Luise Pusch).
    Es ist schon ein Trauerspiel, wie wenig Sensibilität für diskriminierende (nicht inklusive) Sprache immer noch und schon wieder in den Medien zu finden ist. Auch bei JournalistInnen leider.
    Und das nach mehr als 30 Jahren. Ich schreibe inzwischen keine Sexismus-Protestbriefe mehr wie in den 80er Jahren, freue mich aber ueber alle Initiativen, von denen ich hoere.
    Viel Erfolg! wuenscht Ute Wild

  3. Liebe Ute Wild,

    vielen Dank für Ihren netten Kommentar! Es ist wirklich traurig, dass Proteste in Sachen Frauenrechte heute niemanden mehr zum Umdenken bringen, nicht einmal ansatzweise, höchstens noch zu einem „jetzt erst recht“. Seit ich z. B. meinen ersten Blogbeitrag zum generischen Maskulinum Singular (http://birtevogel.de/mir-reichts-ich-bin-nicht-der-wahler-der-leser-der-burger/) an die Öffentlich-Rechtlichen Fernsehanstalten geschickt habe, hat sich genau gar nichts geändert: es haben lediglich drei geantwortet und beteuert, sie würden ganz besonders auf geschlechtergerechte Sprache achten. Aber auf etwas zu „achten“ heißt ja nicht, es auch durchzusetzen.

    So ist nach wie vor tagtäglich von „dem Steuerzahler“, „dem Wähler“ und „dem Bürger“ die Rede, interessanterweise in den Öffentlich-Rechtlichen sogar sehr viel mehr als in den Privaten – und es nimmt nicht nur innerhalb der Sender zu. Selbst viele Frauen reden ja heute von sich selbst im Maskulinum, ohne dass es ihnen auffällt. Vielleicht irre ich mich, aber es hat nach meinem Empfinden heute wesentlich mehr von Don Quixote als vor 20, 30 Jahren. Ich hoffe, thea kann ein bisschen dazu beitragen, diese Entwicklung wieder umzukehren.

    Herzliche Grüße – auch an Ihre Freundin, der wir viel zu verdanken haben!
    Birte Vogel

  4. Liebe Birte,

    über die Flüchtlingsarbeit bin ich auf Ihre Seite wie-kann-ich-helfen.de und dann auf Thea gestossen und sende Ihnen einen Gruß aus Bad Pymront – der Stadt, die Teanolte Bänisch als Frauenort gedenkt!
    Ich finde Ihr Engagement großartig und danke Ihnen für die vielfältigen Informationen zu relevanten Themen dieser Gesellschaft.
    Ganz herzlcihe Grüße aus dem Frauenort Bad Pyrmont, Renate Gröger

    • Liebe Renate,

      herzlichen Dank! Es freut mich, dass es tatsächlich einen Ort gibt, der Theanolte Bänischs gedenkt – und dass Sie über http://wie-kann-ich-helfen.info dann hierher gekommen sind. Ich hoffe, Sie finden auf beiden Domains weiterhin viel Interessantes. 🙂

      Herzliche Grüße aus dem Norden
      Birte Vogel

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