Sexismus in der Mode – Von Busengrapschern und Fremddefinition

(Screenshot: https://www.avocadostore.de/products/51668-organic-mens-roll-sleeve-t-shirt-paul-kindergeld) Warum packt das Ding ihr nicht an die Füße, die ja auch aus Plastik sind? Aber nein, er begrapscht ungefragt ihre Brust.

Sexismus in der Mode ist kein neues Thema. Erinnerst du dich noch an das „In Mathe bin ich Deko“-T-Shirt für Mädchen, das Otto mal anbot? Auch wenn Otto es nach einem Shitstorm aus dem Programm nahm, geistert es nach wie vor durch die Shops. Doch ist es bei weitem nicht das einzige Kleidungsstück mit sexistischem Aufdruck. Auch Öko-Kleidung ist davor nicht gefeit.

avocadostore.de ist ein Portal, das sich auf Ökokleidung spezialisiert hat. Hier bieten Händler_innen Kleidung unbekannter und bekannter Ökomarken wie z. B. Armed Angels an. Aber auch frauenfeindliche Ware wie diese hier von „Kindergeld“:

(Screenshot: https://www.avocadostore.de/products/51662-organic-womens-roll-sleeve-t-shirt-dirk-kindergeld)<br /> Eine Frau, die sich über den Job ihres Freundes definiert? 2015? Echt jetzt? Kein Wunder, dass sie nicht einmal in die Kamera schauen mag.
(Screenshot: https://www.avocadostore.de/products/51662-organic-womens-roll-sleeve-t-shirt-dirk-kindergeld)
Eine Frau, die sich über den Job ihres Freundes definiert? 2015? Echt jetzt? Kein Wunder, dass sie nicht einmal in die Kamera schauen mag.

 

Und diese hier:

 

(Screenshot: https://www.avocadostore.de/products/51668-organic-mens-roll-sleeve-t-shirt-paul-kindergeld)<br /> Warum packt "HE" ihr nicht an die Füße, die ja auch aus Plastik sind? Aber nein, er begrapscht ungefragt ihre Brust.
(Screenshot: https://www.avocadostore.de/products/51668-organic-mens-roll-sleeve-t-shirt-paul-kindergeld)
Warum packt „HE“ ihr nicht an die Füße, die ja auch aus Plastik sind? Aber nein, er begrapscht ungefragt ihre Brust.

 

Auf meine Anfrage, warum avocadostore.de solche frauenfeindliche Kleidung zulässt und Motive dieser Art in den AGB nicht verbietet, habe ich bis zur Veröffentlichung dieses Postings keine Antwort erhalten.

Die Inhaberin von „Kindergeld“, Nina Nick, reagierte auf meine Anfrage, warum sie so etwas anbietet, mit Unverständnis. Sie bat mich darum, ihr erst einmal zu erklären, was genau ich an diesen Aufdrucken frauenfeindlich fände (und schweigt seither).

Mit diesem Unverständnis ist sie nicht allein – sehr viele Frauen sehen so etwas und finden es na ja, ist doch egal, ist doch nur Kleidung, oder sie finden es, hihi, voll lustig und tragen diese Dinger auch noch. Und wenn du das nicht so siehst, hast du ja wohl ganz offensichtlich keinen Humor, thumbs-down, Emanze!

Solche Ware legitimiert frauenfeindliche Ansichten

Wo ist also das Problem? Es liegt darin, dass solche Waren – erst recht, wenn sie von Frauen verkauft werden – alte Strukturen, Klischees und frauenfeindliche Ansichten am Leben erhalten. Sie suggerieren durch vermeintlich humorvolle Darstellung, dass es, hihi, voll lustig ist, wenn ein Mann einer Frau ungefragt an die Brust grapscht. Sie suggerieren, dass es cool ist, wenn Frauen sich auch heute noch über ihren Partner definieren, anstatt über sich selbst und die eigene Leistung. Hey, ist doch nur ein T-Shirt! Wenn man diese Gedanken aber weiterführt, implizieren solche Waren, dass Frauen weniger wert sind.

Und warum ist es erst recht schlimm, wenn so etwas von Frauen verkauft wird, wie ich oben schrieb? Weil die Tatsache, dass ausgerechnet Frauen so etwas anbieten (oder sogar tragen), frauenfeindliche Ansichten in den Augen vieler legitimiert. Wenn selbst Frauen so etwas verkaufen oder tragen, dann kann das ja wohl nicht frauenfeindlich sein – denken jedenfalls viele.

Doch es ist frauenfeindlich. Und es konterkariert die Bemühungen all der Frauen, die seit Jahrhunderten und auch heute noch um Gleichberechtigung kämpfen. Auch um die Gleichberechtigung und Chancengleichheit jener, die sich noch immer über ihren Mann definieren oder ungefragt begrapschen lassen müssen.

Oder, wie es der amerikanische Schauspieler Mark Ruffalo gerade in seinem offenen Brief an Antifeminist_innen ausdrückte:

You bite the hand that has fed you freedom, safety, and a voice.

Ein Satz, der auch auf jene übertragbar ist, die solche frauenfeindliche Ware entwerfen, herstellen, verkaufen oder tragen: sie beißen in die Hand, die ihnen Freiheit, Sicherheit und eine Stimme gegeben hat.

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Birte Vogel

Birte Vogel

Birte Vogel ist freie Journalistin und Autorin und hat für ihre Arbeit mehrere Auszeichnungen erhalten. Sie schreibt Bücher, Reden, Web- und Blogtexte für Unternehmen und sie coacht Sachbuchautor_innen von der Idee bis zum fertigen Buch. Mehr zu ihrer Arbeit gibt's auf http://nordsee-text.de.
Birte Vogel

9 Gedanken zu “Sexismus in der Mode – Von Busengrapschern und Fremddefinition

  1. „dass es, hihi, voll lustig ist, wenn ein Mann einer Frau ungefragt an die Brust grapscht.“
    Wie schließen Sie von dem Bild auf dem Shirt darauf, dass das ungefragt passiert? Ich bin mir nicht sicher, warum es frauenfeindlich ist, Frauen an den Busen zu fassen. Ich mache das bei meiner Freundin ausgesprochen häufig! Natürlich ist Sexismus in jeder Form furchtbar, aber ich bin nicht der Meinung, dass man bei den kleinen Dingen des Alltags beim Umdenken beginnen sollte, (wie zB bei Shirts), um sich erst dann den wirklich wichtigen, krassen Diskriminierungen der Frau im Beruf und in der Wirtschaft zuzuwenden. Man sollte beim Schlimmsten anfangen und dann, wenn das aus der Welt geschafft ist, wenn Frauen im Beruf, bei der Bezahlung, bei der Ausbildung endlich mit dem Mann auf einer Stufe stehen, ja dann können wir auch Shirts mit solchen Aufdrucken diskutieren.

    • Es wird sich aber schon seit vielen Jahrzehnten angeblich um die „wirklich wichtigen, krassen Diskriminierungen der Frau im Beruf und in der Wirtschaft“ gekümmert. Das Ergebnis ist: wir sind kaum einen Schritt weiter als vor 40, 50 Jahren. Noch dazu macht die Gesellschaft derzeit in Sachen Gleichberechtigung und Chancengleichheit für Frauen eine große Rolle rückwärts Richtung 1950er Jahre.

      Und zu dieser Entwicklung tragen in allererster Linie die zahllosen „kleinen Dinge des Alltags“ bei, wie z. B. diese frauenfeindlichen T-Shirts, aber auch Relativierungsversuche wie Ihre Aussage, dass Sie Ihrer Freundin „ausgesprochen häufig“ an die Brust fassen. Sie implizieren damit, dass an Brustgrapschern ansich gar nichts Schlimmes sei, indem Sie Ihr Intimleben mit respektlosen, übergriffigen, sexistischen Handlungen von Männern an Frauen gleichsetzen. Was aber eine Frau ihrem Partner privat erlaubt, ist etwas völlig anderes als das ungebetene Begrapschen der Brust einer (fremden) Frau.

      All diese „kleinen Dinge“ zusammen genommen bilden eine noch immer vorhandene, sehr massive Basis frauenfeindlichen Denkens und Handelns, die nur schwer aufgebrochen werden kann, wenn man sich immer nur um die krassen, sichtbaren Fälle kümmert. Krankheiten heilt man auch nicht durch eine halbherzige Behandlung der Symptome.

  2. Einer der unnötigsten Artikel, den ich je gelesen habe.
    Bin ich also Sexist, wenn ich als Mann einer Frau die Tür aufhalte? Oder bin ich anti-emanze, wenn ich meinen Freund bitte, die Sprudelkisten die Treppe hoch zutragen, weil sie mir zu schwer sind?

    Da gibt es so viel wichtigere Sachen auf der Welt, über die jemand mit Ihrer Ausbildung schreiben könnte – Ich sage nicht, dass Emanzipation und Gleichberechtigung „ein alter Schuh von Gestern“ ist. Aber schreiben sie doch bitte lieber Artikel über wirkliche Probleme, die Vergewaltigungsopfer in Indien, Ehrenmorden oder Gegenden in denen Sie als Frau nicht mal schreiben hätten lernen können! Über Themen, die sich außerhalb unseres Westlichen-Wohlstands-Käfigs befinden. Meine Güte!

    Wegen Artikel wie diesem hier, ist „Feminismus und Emanzipation“ immer noch unter dem „Dummen-Emanzen-Stigmata“ und wird nicht ernst genommen.

    Frau Nick bewirkt mit ihrem Green-Mode-Label weitausmehr Veränderung und Positives, als sinnfreie Artikel, über „antifeministische Aufdrucke“!

    Ich meine diese Kritik wirklich ernst und wünsche mir, dass Sie sie ernst nehmen. Ansonsten hätte für mich ein zynisches „Seriously?“ gereicht!

    • Erstens denke ich, bevor man einen Kommentar schreibt, sollte man den Artikel schon gelesen haben. Hätten Sie das getan, wüssten Sie, dass da weder etwas von Tür-Aufhalten noch von Sprudelkisten steht. Aber Anti-Feminist_innen bringen solche Dinge leider oft durcheinander.
      Zweitens müssen Sie mir in meinem eigenen Blog, den Sie kostenlos lesen dürfen, nicht sagen, worüber ich „lieber“ schreiben sollte. Die Themen suche ich mir immer noch selbst aus, und wenn die Ihnen nicht passen, müssen Sie sie ja nicht lesen.
      Drittens bewirkt Frau Nick wahrscheinlich wirklich mehr als mein Artikel, wenn auch nicht „weitausmehr Veränderung und Positives“, sondern eine weitere Zementierung alter, frauenfeindlicher Gedanken (s. a. meine Antwort auf den vorhergehenden Kommentar).
      Viertens nehme ich Kritik, so sie sachlich und konstruktiv ist, immer ernst. Ihre ist weder das eine noch das andere.

  3. Kommentar von der Redaktion gelöscht
    Bitte beschränken Sie sich auf sachliche Kommentare mit inhaltlichem Bezug zum Artikel.

  4. Lesen sie eigentlich was sie schreiben?

    So wie ich Ihren Blog nicht lesen muss, wenn er mir nicht gefällt, müssen sie diese T-Shirts ja auch nicht tragen, oder nicht?

    • Das Tragen von frauenfeindlichen T-Shirts ist nicht meine Aufgabe als Journalistin. Meine Aufgabe ist es, öffentlich auf Missstände hinzuweisen, wenn ich welche sehe. Und meine Aufgabe in einem Watchblog, der „Frauen in Sprache, Medien und Gesellschaft“ zum Thema hat, ist es dementsprechend, auf Missstände in Bezug auf Frauen in Sprache, Medien und Gesellschaft hinzuweisen.

      Das hilft Frauen und Männern, die sich ihrer eigenen frauenfeindlichen Handlungsweisen oftmals nicht bewusst sind, diese zu erkennen. Und es trägt hoffentlich dazu bei, dass frauenfeindliche und relativierende Sprüche und Bilder als solche entlarvt werden. Und dass in der Folge vielleicht endlich Gleichberechtigung und Chancengleichheit in dieser Gesellschaft eintritt, so wie sie schon seit Jahrzehnten gesetzlich vorgeschrieben ist.

      Für den Fall, dass Sie finden, dass das doch schon längst der Fall sei, empfehle ich Ihnen gerne die Lektüre des Artikels „Frauentag abschaffen! Keine Förderung mehr für Mädchen!“ (http://thea-blog.de/frauentag-abschaffen-keine-foerderung-mehr-fuer-maedchen/).

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