Schreiben Sie lieber über wirkliche Probleme, die Vergewaltigungsopfer in Indien …

Wie unterschiedlich sind die Probleme in Indien und Deutschland wirklich? (Foto: Unsplash / pixabay)

Vor kurzem schrieb ein Mann in einem Kommentar zu einem meiner Artikel auf thea: „schreiben sie doch bitte lieber Artikel über wirkliche Probleme, die Vergewaltigungsopfer in Indien, Ehrenmorden […]“. Deshalb geht es hier jetzt endlich mal um „wirkliche Probleme“.

Wie unterschiedlich sind die Probleme in Indien und Deutschland wirklich? (Foto: Unsplash / pixabay)
Wie unterschiedlich sind die Probleme in Indien und Deutschland wirklich? (Foto: Unsplash / pixabay)

Der Kommentar kam zu meinem Artikel „Sexismus in der Mode – Von Busengrapschern und Fremddefinition„, in dem ich über frauenfeindliche Motive auf T-Shirts schrieb, die in einem Öko-Online-Shop angeboten werden. Im Kommentar stand u. a.:

schreiben sie doch bitte lieber Artikel über wirkliche Probleme, die Vergewaltigungsopfer in Indien, Ehrenmorden oder Gegenden in denen Sie als Frau nicht mal schreiben hätten lernen können! Über Themen, die sich außerhalb unseres Westlichen-Wohlstands-Käfigs befinden. Meine Güte!

Kommentare dieser Art bekommen Frauen, die über die mangelnde Gleichberechtigung der Frauen im „Westlichen-Wohlstands-Käfig“ schreiben, sehr häufig. Und auf den ersten Blick könnte man dem Kommentarschreiber recht geben, denn was bedeutet schon ein dummes T-Shirt im Vergleich zu den zahllosen Vergewaltigungen von Mädchen und Frauen in Indien, zu den zahllosen, angeblich zur Rettung der „Familienehre“ verübten Morde an muslimischen Frauen und Mädchen oder zu der Tatsache, dass Mädchen in vielen Teilen dieser Welt keinen Zugang zu Bildung haben? Auf den ersten Blick ist ein frauenfeindliches Motiv auf einem T-Shirt ein Fliegendreck dagegen.

Er spricht mir das Recht ab, etwas zu unternehmen, weil er findet, dass es woanders schlimmer ist

Was Menschen wie der Kommentarschreiber jedoch tatsächlich mit solchen Aufforderungen implizieren, ist, dass wir Frauen hier in Deutschland den Mund halten und stillschweigen sollen, weil wir es hier ja wohl vergleichsweise wahnsinnig gut haben, weil Deutschland ja ein so unwahrscheinlich fortschrittliches Land ist. Da kann man die zahllosen in Deutschland durch Männer an Frauen verübten Vergewaltigungen und Morde ja wohl vernachlässigen. Erst recht die alltäglichen Benachteiligungen, die uns Frauen in jedem einzelnen Lebensbereich begegnen.

Er spricht mir mit diesem Kommentar das Recht ab, etwas gegen die strukturelle Diskriminierung in unserem Land und in meinem eigenen Leben zu unternehmen, nur weil er der Ansicht ist, dass es woanders noch viel schlimmer ist.

Was Menschen wie er jedoch noch nicht verstanden haben, ist, dass all diese Dinge, ob sie in Indien, in muslimischen Ländern, in anders entwickelten Ländern oder in Deutschland passieren, überall dieselbe Wurzel haben: den mangelnden Respekt vor Frauen.

Der mangelnde Respekt drückt sich nie nur in Vergewaltigungen und Morden aus

Hätte er diesen Respekt, dann würde er mir in unserem vermeintlich so fortschrittlichen Land nicht vorzuschreiben versuchen, über welche Frauenthemen ich als Frau in meinem eigenen Blog schreiben sollte. Stattdessen würde er respektieren, dass ich als Frau, als Feministin und als versierte Journalistin wohl eher Expertin dafür bin, wo die Wurzeln der Frauenfeindlichkeit liegen und in welchen Dingen sie sich ausdrücken, als er. Z. B. weil ich lange und sehr genau recherchiert habe. Z. B. weil ich zeitlebens ungefragt eine der Empfängerinnen dieser Frauenfeindlichkeit bin.

Der in den meisten Gesellschaften dieser Welt mangelnde Respekt vor Frauen drückt sich eben nicht nur in Vergewaltigungen oder Mord aus. Er drückt sich auch in relativierenden Kommentaren durch Männer und in ihren Mansplaining-Versuchen aus. Und er drückt sich in dem oben erwähnten Fliegendreck aus, den kleinen, ganz alltäglichen frauenfeindlichen Dingen, die wir in der Regel kaum noch bemerken, weil sie so alltäglich sind. Die wir, eben weil sie so alltäglich und klein sind, oftmals auch nicht ernst nehmen.

Ein anderer Mann schrieb in seinem Kommentar:

ich bin nicht der Meinung, dass man bei den kleinen Dingen des Alltags beim Umdenken beginnen sollte, (wie zB bei Shirts), um sich erst dann den wirklich wichtigen, krassen Diskriminierungen der Frau im Beruf und in der Wirtschaft zuzuwenden. Man sollte beim Schlimmsten anfangen

Das wäre jedoch das gleiche, als würde man jemandem mit einem riesigen, schmerzhaften Tumor nur ein Schmerzmittel verabreichen, weil das Schlimmste für die erkrankte Person offensichtlich der Schmerz sei. Doch so, wie ein Schmerzmittel keinen Krebs heilt, nützt es überhaupt nichts, in puncto Frauenfeindlichkeit „beim Schlimmsten“ anzufangen. Was dabei herauskommt, sehen wir jeden Tag.

Es wird sich schon seit Jahrzehnten um die „wirklich wichtigen“ Dinge gekümmert – mit welchem Erfolg?

Denn es wird sich schon seit vielen Jahrzehnten (angeblich) um die „wirklich wichtigen, krassen Diskriminierungen der Frau im Beruf und in der Wirtschaft“ gekümmert. Das Ergebnis ist: wir Frauen sind immer noch nicht gleichberechtigt, haben nicht die gleichen Chancen, nicht die gleichen Rentenansprüche, nicht das gleiche Gehalt (s. hier). Noch dazu macht die Gesellschaft derzeit in Sachen Gleichberechtigung und Chancengleichheit für Frauen eine große Rolle rückwärts Richtung 1950er Jahre.

Und zu dieser Entwicklung tragen in allererster Linie die zahllosen „kleinen Dinge des Alltags“ bei, die wir alle so häufig übersehen, nicht ernst nehmen oder für Einzelfälle halten. Angefangen bei frauenfeindlichen T-Shirt-Motiven, bei frauenfeindlichen Werbevideos, beim Ausschließen der Frauen aus der alltäglichen Sprache, über Relativierungsversuche wie „Ihr könnt doch alles erreichen: wir haben sogar eine Bundeskanzlerin!“ oder „Ich bin mir nicht sicher, warum es frauenfeindlich ist, Frauen an den Busen zu fassen. Ich mache das bei meiner Freundin ausgesprochen häufig!“ (Kommentar zu diesem Artikel). Und es geht weiter damit, dass Frauen in den Medien kaum vorkommen, und wenn, dann nicht als kompetente Fachfrauen, sondern immer häufiger als klischeehafte Dummchen und Statistinnen. Es setzt sich darin fort, dass Leute behaupten, Frauensport sei unansehnlich und unattraktiv (dazu empfehle ich übrigens diese sehr schöne Replik von Amy Poehler und Seth Meyers). Es setzt sich auch darin fort, dass Frauen an vielen entscheidenden Stellen kaum oder gleich gar nicht beachtet werden (s. meine Rubrik „Nachgezählt“ und den Artikel „Frauentag abschaffen! Keine Förderung mehr für Mädchen!„).

Die Wurzel der Frauenfeindlichkeit liegt nicht in Indien

All diese „kleinen Dinge“ zusammen genommen bilden eine noch immer vorhandene, sehr massive Basis frauenfeindlichen Denkens und Handelns, die nur schwer aufgebrochen werden kann, wenn man sich immer nur um die krassen, sichtbaren Fälle kümmert. Auch Krankheiten heilt man nicht durch eine halbherzige, placeboartige Behandlung der Symptome. Man kann der Frauenfeindlichkeit nur beikommen, wenn man an ihren Ursprung, an die Wurzel zurückgeht. Und die liegt nicht in Indien, nicht im Islam und nicht in Ländern wie Afghanistan, sondern sie liegt weltweit, also auch hier in Deutschland, in dem mangelnden Respekt vor Frauen, der ihnen einen geringeren Stellenwert in der Gesellschaft zuweist. Er ist das grundlegende Problem, das wir Frauen seit vielen Generationen haben.

Wie aber könnte sich dieser Respekt äußern? Z. B. darin:

  • dass Männer und Frauen respektieren, dass Frauen ganz sicher verdammt gute Gründe haben, wenn sie sich benachteiligt fühlen und dies – trotz aller Gegenwehr – äußern;
  • dass man Frauen zuhört und ihnen glaubt, wenn sie über Benachteiligung, Gewalt etc. berichten;
  • dass man ihnen die Expertise über ihr eigenes Leben und ihre lebenslangen Erfahrungen nicht immer wieder abspricht;
  • dass man dabei mithilft, die strukturelle Benachteiligung der Frauen in diesem Land von der Wurzel her zu bekämpfen, damit nicht nur man selbst, sondern auch andere nicht qua Geschlecht diskriminiert werden;
  • und dass man damit bei den ganz kleinen Dingen wie frauenfeindlichen T-Shirts und Werbevideos und bei der frauenfeindlichen Sprache beginnt – nicht im fernen Indien, nicht in fernen muslimischen Ländern, nicht im fernen Afghanistan, sondern vor der eigenen Haustür, im eigenen Leben, im eigenen Handeln.

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Birte Vogel

Birte Vogel

Birte Vogel ist freie Journalistin und Autorin und hat für ihre Arbeit mehrere Auszeichnungen erhalten. Sie schreibt Bücher, Reden, Web- und Blogtexte für Unternehmen und sie coacht Sachbuchautor_innen von der Idee bis zum fertigen Buch. Mehr zu ihrer Arbeit gibt's auf http://nordsee-text.de.
Birte Vogel

6 Gedanken zu “Schreiben Sie lieber über wirkliche Probleme, die Vergewaltigungsopfer in Indien …

  1. Hallo,
    sicherlich handelt es sich hier um ein globales Problem. Aus meiner Sicht nützt es aber nichts, sich als Frau mehr Respekt verschaffen zu wollen oder zu „denken“, dass sie es müssten. Auf das Problem mit einer T-Shirt Aktion oder ähnliches aufmerksam machen zu wollen verfehlt ebenfalls das Ziel, weil es die Ursache nicht berührt. Schuldzuweisungen, wie: Weil die Männer blah blah blub, würde hier ebenfalls nichts bringen, da Schuldzuweisungen „grundsätzlich“ nichts bringen.
    Die Ursache liegt bei demjenigen, der seinen Mitmenschen nicht respektiert. Aber was ist nun die eigentliche Ursache? Nun, die Ursache ist, dass derjenige „fremdgesteuert“ ist! Allein schon aus diesem Grund trifft demjenigen keine Schuld, da er ja nicht in seiner reinen naturbelassenen Form handelt. Die Buddhisten nennen so etwas einen „verunreinigten Geist“. Es ist also die „fehlerhafte Programmierung“ der respektlosen Person, die eine klare Sicht auf die Dinge verhindert und deshalb zu solchen „Fehlverhalten“ führt. Die Respektlosigkeit im Allgemeinen ist ja eh ein globales Problem und betrifft nicht nur den nötigen Respekt gegenüber einer Frau. Die Lösung ist eine Bewusstseinserweiterung, die es ermöglicht, aus dem Glaubenskäfig herauszuschauen um zu erkennen, dass die Welt nicht die ist, in der er sich gerade befindet. Denn erst dann wird sich sein tun und handeln verändern und der Respekt gegenüber seinen Mitmenschen wird wieder zur natürlichen Selbstverständlichkeit.

    • Tja, ein klassischer Fall von Mansplaining. Deine Sicht ist die eines Mannes. Warum meinst Du nun, einer Frau sagen zu müssen, dass das, was die Frau als eine Lösung für das Problem vorschlägt, das Frauen haben, aus Deiner männlichen Sicht nichts nützt? Wem nützt das nichts? Dir? Denn mir nützt es sehr. Bzw. würde es sehr nützen, wenn Männer nur endlich mal aufhören würden, Frauen sagen zu wollen, was richtig und was falsch ist.

      Wie ich im Artikel schon schrieb: man sollte erst einmal Frauen zuhören, ihnen glauben und ihnen nicht sofort die Expertise absprechen, wie Du es hier tust. Und das ist das eigentliche Problem: zu viele Männer tun nur so, als würden sie zuhören und geben dann (meist ungebeten) ihren Senf ab. Um aber die „natürliche Selbstverständlichkeit“ des Respektes voreinander, von der Du sprichst, zu erreichen, müssen Männer diesen Respekt erst einmal lernen und anwenden. Z. B. indem sie es einfach mal dauerhaft ausprobieren, nicht immer sofort die Erklärmütze aufzuziehen, sondern sich von diesem Besserwisserautomatismus vollständig zu lösen, der Frau tatsächlich und respektvoll zuzuhören und sie ernst zu nehmen.

      Und all das in der ganz selbstverständlichen Akzeptanz, dass eine Frau über die Probleme im Leben einer Frau und ihre Lösung mit ganz großer Sicherheit besser Bescheid weiß als ein Mann.

      Vielleicht hilft ja auch dieser Artikel im Verständnis ein bisschen weiter: „Komm, Kleines, ich erklär’ dir die Welt“ (http://www.faz.net/-gsf-7zhwr).

  2. Ich möchte niemanden etwas vorschreiben, sondern ich habe hier nur meine Sichtweise zum Ausdruck gebracht um den ein oder anderen zum Nachdenken anzuregen.
    Mir sind die Gesundheit und das Wohlergehen meiner Mitmenschen genauso so wichtig wie für mich selbst. Deshalb lese ich regelmäßig einige Beiträge über diese Themen. Es ist dann fast immer von „Experten“ die Rede, die meist nie beim Namen genannt werden. Irgendwann stellt sich dann durch neue Studien und Erkenntnisse heraus, dass sich die sogenannten „Experten“ geirrt haben.
    Über „recht haben“ braucht man nicht zu diskutieren, denn JEDER, der durch seine subjektive Brille schaut, hat aufgrund seines individuellen Weltbildes aus seiner Sicht immer recht! In unserem Universum gibt es aber keine Polaritäten, sprich keine Schubladen der Bewertung wie z.B. oben oder unten. Dennoch entsteht der „Eindruck“, dass man oben (auf der Erde) steht und der, der das behauptet, hat ja dann auch im gewissen Sinne recht.
    Nicht nachvollziehbar ist für mich, dass der „Eindruck“ entsteht, mein Kommentar sei aus der Sicht eines Mannes. (Wo ist eigentlich der Unterschied zwischen Mann und Frau? Sind es denn nicht beides „Menschen“ (die sich gegenseitig ergänzen)?) Denn meine Sichtweisen entspringen grundsätzlich aus einer „neutralen Position“. Ich würde mich niemals auf irgendeine Seite stellen oder mich irgendeinem Glauben anschließen.
    Ich muss immer über die Menschen schmunzeln, die auf eine Friedensdemonstration gehen und auf diese Art für den FRIEDEN KÄMPFEN. Das ist paradox! Sie wollen keinen Kampf, sie wollen Frieden, aber sie „kämpfen“ um einen kampflosen Zustand zu erreichen. Woauh!
    Wie lautet doch gleich das Zitat von Mahatma Gandhi:
    „Du musst die Veränderung sein, die du in der Welt sehen möchtest!“
    Abschließend möchte ich jeden Leser über das Thema Respektlosigkeit zu einer Innenschau einladen, indem er sich fragt, ob er sich selbst bedingungslos zu 100 % respektiert? -)

    • „Nicht nachvollziehbar ist für mich, dass der „Eindruck“ entsteht, mein Kommentar sei aus der Sicht eines Mannes.“

      Zum einen hast Du einen männlichen Vornamen als Nick angegeben – das lässt den Schluss zu, dass Du wahrscheinlich ein Mann bist. Es sei denn, Du hast so wahnsinnig originelle Ideen wie die_der andere Kommentator_in hier.

      Zum anderen ist Mansplaining eine Handlungsweise, die fast ausschließlich von Männern ausgeübt wird. Ausnahmen gibt’s, aber sie sind eben nicht die Regel. Eine vermeintlich „neutrale Position“ ist aufgrund lebenslanger sozialer Prägung ohnehin nicht möglich, das kann Dir Deine Innenschau sicher bestätigen. Neutrales Mansplaining ist deshalb nicht existent.

  3. Liebe Frau Vogel,

    es freut mich ehrlich, dass mein Kommentar einen Gedankenanstoß bewirkt hat und finde es toll, dass sie einen Artikel zu dem Thema schreiben. Allerdings schrieb „vorkurzem nicht ein Mann“ sondern eine Frau diesen Kommentar zu ihrem Artikel.

    Sie haben das Recht zu schreiben, zu sagen und zu denken was sie wollen – Und das spreche ich ihnen nicht ab! Ungeachtet ob sie nun Frau oder Mann, schwarz, Jude oder Behindert sind- Denn Meinungs- und Pressefreiheit fallen unter die Menschenrechte, und sind damit unantastbar. #jesuischarlie

    Doch die zwei Schneidigkeit davon, sollte ihnen auch bewusst sein. Wenn man eine Meinung zu etwas hat, hat vielleicht auch jemand anders auch eine Meinung dazu. Dann ist nur die Frage, inwieweit sich die Meinungen überschneiden oder unterscheiden, und inwieweit die Toleranz und der Respekt anderen Meinungen gegenüber geht.

    Sie sind der Meinung, sie hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen, und haben die Wahrheit gefunden. Diese Bio-Shirts mit den bösen Aufdrucken sind innerhalb unseres Westlichen Käfigs eine Manifestierung des Anti-Feminismus-blah-blub. Und das ist okay. Ist ihre Meinung, ihr Name, ihr Artikel und ihr Blog.

    Das selbe gilt auch für Frau Nick, mit ihren T-Shirts. Ihrer Meinung nach gibt es keinen Anlass, darüber zu schreiben. Und als Künstlerin beruft sie sich auf ihre Kunstfreiheit – Und das ist auch okay. Ihre Meinung, Ihr Name, ihr Modelabel, ihre Shirts.

    In vielen Punkten sind wir uns einig. Frauen wurden schon immer und vor allem werden immer noch Opfer von Gewalt, Benachteiligung und Desrespekt. Mit einer riesigen Grauzahl in Häuslicher Gewalt, Vergewaltigungen und den „als harmlos“ deklarierten Sexismus.

    90/60/90 – so hat eine Frau auszusehen? Ja, sagt Mode und Zeitgeist. Ist das richtig? Natürlich nicht, eine Frau hat so auszusehen, wie sie aussehen möchte. Und es ist schrecklich was in den Köpfen der Frauen und jungen Mädchen mit ihren Supermodels und Heidi Klumms passiert. Anorexie und Hungerwahn. Das sind Erscheinungen unserer Zeit.

    Ein Mann muss stark sein und Mukkis haben? Ja, sagt Menshealth und Zeitgeist. Ist das richtig? Natürlich nicht, ein Mann hat ebenso so auszusehen, wie er aussehen mag. Und es ist genauso erschreckend, wie jeder Mann und schon die kleinen Buben wie blöd ins Fitnessstudio rennen, die ganze Zeit von Eiweißgehalt sprechen und vor lauter Anabolika ihr Hirn in ihre Arme pumpen. Auch das sind Erscheinungen unserer Zeit.

    Und natürlich sitz der Wurm tief. Tief verankert in der Kultur. Im Bild der Frau. Im Bild des Mannes. Ob es die Erbsünde, oder “dem Ebenbild Gottes“ ist. Das ist Mittelalter und hat nichts mit Fortschritt zu tun.

    Allerdings muss ich ihnen widersprechen, wenn sie diesem „Tumor“ bekämpfen wollen, indem sie über solche Shirts schreiben. Denn selbst auf den zehten Blick erscheint mir so ein T-Shirt neben einer Vergewaltigung wie Fliegendreck. Nein, nicht einmal erwähnenswert. Die Dinge sind in Indien und in vielen Regionen der Welt schlimmer als hier. Und ich finde es fast unverschämt und weltfremd darüber zu argumentieren – Wir dürfen uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen und die „Schönheitsfehler“ unserer Emanzipations-Operation behandeln.

    Denn Ich nenne es nicht Fortschritt, wenn ihn nur 10% der Weltbevölkerung erreicht.

    • „Allerdings schrieb „vorkurzem nicht ein Mann“ sondern eine Frau diesen Kommentar zu ihrem Artikel.“

      Ach, wie außerordentlich originell. Einen männlich klingenden Nick geben und dann behaupten, eine Frau habe das geschrieben.

      Es ist mir egal, wer frauenfeindlichen Mist schreibt oder herstellt, ob Frau oder Mann. Fakt ist, es ist frauenfeindlich. Und ich schreibe darüber, ob es den Urheber_innen und Hersteller_innen und ihren treuen Fans passt oder nicht.

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