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Nachgezählt: Buchpreise für Frauen

Nachgezählt: Buchpreise sind für Autor_innen aus mehreren Gründen wichtig. Einige von ihnen sind mit einem Preisgeld verbunden. Die meisten resultieren in großer öffentlicher Aufmerksamkeit, die wiederum meist zu (teils rasant) steigenden Buchverkäufen und zu noch größerer Öffentlichkeit (auch fürs nächste Buch) führt. Zeit, mal nachzuzählen, wie häufig Frauen Buchpreise bekommen.

Ich habe hierfür bei zwölf willkürlich ausgewählten deutschen und internationalen Buchpreisen nachgezählt. Dabei habe ich mich an den Angaben orientiert, die ich im Internet gefunden habe. Die absoluten Zahlen sind jene, die sich auf die gesamte Vergabezeit des jeweiligen Preises bis heute (08.02.2015) beziehen.

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Buchpreise – absolute Zahlen (zum Vergrößern anklicken).

Manche werden nun sagen, es sei ja Unsinn, Zahlen von Beginn des 20. Jahrhunderts mit den heutigen Vergabezahlen zu vergleichen – das Ergebnis könne ja nur extrem zuungunsten von Frauen ausgehen. Aus diesem Grund habe ich mir bei den Preisen, die schon seit vielen Jahrzehnten vergeben werden, angeschaut, wie sich die Vergabe vor 1979 zur Vergabe ab 1980 verhält – ausgehend von der Annahme, dass Frauen seit den 80er Jahren dank der Emanzipation sehr viel mehr im öffentlichen Diskurs vorkommen und ihre Arbeit sehr viel mehr gewürdigt wird. Das Ergebnis siehst du hier:

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Vergleich der Buchpreisvergabe an Frauen bis 1979 und ab 1980

„Sehr viel mehr im öffentlichen Diskurs vorkommen und gewürdigt werden“ war wohl eher eine Fehlannahme.

Wie sieht es denn bei der Verteilung der Preise in den Bereichen Belletristik, Sachbuch und Wirtschaftsbuch aus? Und wem vergibt der bayerische Ministerpräsident am ehesten den „Ehrenpreis“? Schau selbst:

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Buchpreise für Belletristik, Sachbücher, Wirtschaftsbücher sowie Ehrenpreise

Frauen dürfen also massenhaft Bücher kaufen und lesen, sie dürfen sie verkaufen, sie dürfen sie auch schreiben. Nur dürfen sie nicht darauf hoffen, in den nächsten 100 Jahren (außer mit dem Deutschen und dem Evangelischen Buchpreis) für ihre Leistung auch noch mit einem Buchpreis gewürdigt zu werden.

Birte Vogel

Birte Vogel

Birte Vogel ist freie Journalistin. Für Medien (Print und online) und Unternehmen schreibt und berät sie in den Themenfeldern Tourismus, Kultur, Natur- und Umweltschutz, Gesellschaft und Gleichberechtigung. Mit ihrem Blog http://wie-kann-ich-helfen.info war sie 2015 Preisträgerin des Aktiv Wettbewerbs. Ihr Porträtband „Hannover persönlich“ wurde 2013 von der Leipziger Buchmesse und neobooks mit einem autoren@leipzig Award ausgezeichnet. 2011 stand sie auf der Shortlist des Schneelöwen Journalistenpreises für einen Artikel über den Dalai Lama in der Neuen Zürcher Zeitung.
Birte Vogel

17 Gedanken zu „Nachgezählt: Buchpreise für Frauen

  1. Na ja, HOFFEN darf frau immer. Ich werde meine Enkelin jedenfalls so wenig davon abzuhalten versuchen, wie es meins Oma mit meiner Mutti getan hat und wie ich, obwohl desillusioniert, es auch bei meiner Tochter nicht lassen konnte. Wir müssen ja nur wesentlich besser schreiben als die Männer, uns unter Pseudonym an ihren Themen orientieren und nebenher unsere Kinder zur Welt bringen, stillen und zur Schule fahren.

  2. Ernüchternd. Noch ernüchternder wird das Ganze, wenn man bedenkt, wie viele Buchpreise in der Literatur, nicht aber in der Unterhaltung vergeben werden. Die meisten Autorinnen dürften jedoch gerade in der Unterhaltung unterwegs sein.

    • Da würde mich natürlich interessieren, warum sie gerade in der Unterhaltung unterwegs sind: haben sie in anderen Bereichen geringere Chancen auf Veröffentlichung? Oder „liegt“ ihnen Unterhaltung mehr? Wenn ja, warum? Wie siehst Du das?

    • Birte, darüber gibt es eine Menge Theorien und Debatten und sicher keine einfache Antwort. Wir hatten die Debatte mal unter Frauen in der Verlagsbranche und da deutete vieles auf die Doppelbelastung Familie – Beruf hin, die in Deutschland doch sehr konventionell aufgeteilt ist, und das seltsame Phänomen, dass es zwar jede Menge starker Frauen gibt, die Schriftstellern den Rücken freihalten und ihn bei der Karriere stützen, aber umgekehrt dieses Rollenverhalten bei Männern so sehr nicht verbreitet zu sein scheint. Unterhaltung geht dann doch eher „nebenbei“ als Kunst, die einen auffrisst? Oder wie Asta Scheib mal sagte:
      „Welch großes Werk hätte ich schreiben können, wenn nicht Söhne, Schwiegertöchter, Ehemänner, Stiefkinder, Patenkinder und große wollige Hunde mich lebenslang daran gehindert hätten.“ Können Frauen nicht Nein sagen?
      Auf der anderen Seite werden viele Genres in der Unterhaltung prominent mit Frauen besetzt und Männer benachteilgt oder zu weiblichen Pseudonymen gezwungen (Frauenroman, Liebesroman etc.)

    • Asta Scheib hat durchaus recht, Petra. Sie hat allerdings noch die Mütter und Väter vergessen, die sie und die Ehemänner zu dem erzogen haben, was sie sind. Denn die Rolle der Frau ist ja nicht allein durch das geprägt, was heute passiert, sondern durch altgewachsene Strukturen, die so schwer zu durchbrechen und zu modernisieren sind. Und ich denke manchmal, dass die Frauen auch deshalb noch im Unterhaltungssegment festhängen – von alters her ist es angeblich das, was sie „können“. Anderes wird ihnen bis heute eher selten zugetraut, und das beeinflusst sie ja auch enorm. Aber wie Du schon sagst, eine einfache Antwort gibt es darauf nicht.

    • Ich glaube nicht an die Theorie, dass ich als Frau bin, wie man mich erzogen hat. Spätestens mit der Pubertät erzieht sich so manches Kind auch selbst und irgendwann sollte Frau erwachsen genug sein, das zu schreiben, was sie kann und will. Im Zeitalter des Self Publishing zieht auch die Ausrede mit den Verlagen nicht mehr.

    • Der Glaube siegt ja immer wieder mal über die Wissenschaft, aber das bedeutet nicht, dass die Wissenschaft unrecht hat. Erziehung allein ist auch nicht immer ausschlaggebend. Sie ist nur ein, wenn auch wichtiger, Teil der Prägung eines Menschen. Ich kenne aber keinen einzigen Menschen, der sich wirklich vollständig aus seiner Erziehung hat lösen können, erst recht keine einzige Frau.

      Was das Selfublishing betrifft, mag das auf Frauen wie Dich zutreffen. Aber nicht jede Frau hat z. B. Dein Maß an Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen, nicht jede Frau hat das Umfeld, das ihr so etwas ermöglicht, und nicht jede Frau hat die finanzielle und zeitliche Basis, um ein recherche-intensives Buch zu schreiben und dann mit allem, was dazugehört, selbst zu veröffentlichen. Und das hat Gründe, die nicht allein mit der Erziehung oder der vermeintlichen Befreiung davon zu tun haben, sondern meist im System liegen.

  3. Nicht nur, weil es im gestrigen Tatort so schön um Annette von Droste-Hülshoff ging, fiel mir der nach ihr benannte Literaturpreis ein.
    Der Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis wurde zwischen 1953 und 2012 einundzwanzig Mal vergeben, davon dreimal an Frauen (1991 Jenny Aloni, 1997 Sarah Kirsch und 2012 Judith Kuckart).
    17 : 3 >> http://dld.bz/d6AT7

    Gerade entdeckte ich, dass es auch noch den Droste-Preis gibt. Da sieht das Verhältnis wesentlich günstiger aus 😉
    Denn dieser Literaturpreis wird ausschließlich an Autorinnen vergeben.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Droste-Preis

  4. Für den Bereich Belletristik: Vielleicht wurden die Romane von Männern ja einfach nur aufgrund ihrer Qualität ausgezeichnet? Steile These, ich weiß, aber schwer zu widerlegen. Wir reden hier von Kunst, und Bewertung von Kunst ist zwar subjektiv, eine Quote hat dabei aber als Kriterium nichts zu suchen. Und im Bereich Sachbuch möge jeder mal an sein eigenes Sachbuchregal herantreten. Wenn man sich nicht gerade auf Feminismus spezialisiert, dürfte der Anteil der ausgezeichneten Autorinnen so ziemlich dem Anteil an Sachbüchern von Frauen im eigenen Regal entsprechen. Und wenn ich mich erinnere, welche Sachbücher mich in den letzten Jahren wirklich begeistert haben – mit Ausnahme von Swetlana Alexijewitsch, alle von Männern geschrieben. Sorry, aber ist einfach so. Und ich kann dir versprechen, dass ich mir Sachbücher nach Themen, nicht nach Geschlecht des Autors aussuche. Beim Sachbuch mag das mit den männlich dominierten Strukturen im Wissenschaftsbetrieb und in den einschlägigen Redaktionen zusammenhängen, dafür können aber die jeweiligen Jurys nicht verantworltich gemacht werden. Ansonsten listest du erst mal nur Zahlen auf, die eine altbekannte Tatsache belegen, aber nichts darüber aussagen, ob sich darin eine quasi systemische Benachteiligung erkennen lässt. Da müsste man dann die Gesamtzahl der Nominierten, die Zusammensetzungen der Jurys (alle Deutschen Buchpreise, die an Frauen gingen, wurden von einer Jury mit Männern in der Überzahl zugesprochen, saßen mehr Frauen in der Jury, gingen die Preise an Männer) und und und betrachten. Bachmannjuroren welchen Geschlechts laden Autoren welchen Geschlechts ein? Der Bachmannpreis bietet sich für solche Statistiken übrigens an, weil alles ziemlich öffentlich passiert. Aber ich war nie gut in Mathe, mit Zahlen habe ich es nicht so. Und natürlich muss in einer Statistik, die Aufschluss gibt, auch noch die Tatsache berücksichtigt werden, dass zum Beispiel beim Deutschen Buchpreis und beim Preis der Leipziger Buchmesse die Verlage die Titel auswählen und einreichen, die dann von der Jury begutachtet werden. Wie sieht das Verhältnis da aus? Wie man sieht, ist alles dann doch etwas komplizierter. Diese Diskussion gab es zuletzt rund um den Deutschen Buchpreis, dazu hatte ich damals schon meinen Senf dazugegeben, siehe https://smoel.wordpress.com/2014/08/20/sex-sells-sexismusvorwurf-sells-aber-auch/

    • Dein Versprechen, Stefan, ist insofern obsolet, als dass Du dabei wahrscheinlich nicht in Betracht ziehst, durch was und wen genau Du zeitlebens wie und wie stark geprägt wurdest, um jetzt „zufällig“ den Sachbüchern männlicher Autoren den Vorzug zu geben, weil Du sie „besser“ findest. Du bist da nicht objektiv, kannst es gar nicht sein.

      Ein winziges Beispiel: In Deinem Blog-Posting „Ich lese viel weniger Bücher von Frauen …“ (http://bit.ly/1IRhwzx) schreibst Du, dass Du Dir „Titel von Menschen wie Stefan Mesch empfehlen“ lässt. Ein Mann lässt sich Titel von einem Mann empfehlen. Solche Mechanismen gibt es zu Tausenden, die den meinsten Menschen gar nicht bewusst sind, die dann aber ihre Wahl beeinflussen. Dass Du versuchst, auch Autorinnen zu lesen, nehme ich Dir durchaus ab. Nur bist Du durch eine männliche Welt mit männlichen Regeln geprägt, und das beeinflusst jede Deiner Entscheidungen. Über das z. B., was Du jeden Tag in den Medien siehst, hörst und liest, entscheiden in der Regel Männer. In „Nachgezählt: Frauen galore! …“ (http://thea-blog.de/nachgezaehlt-frauen-galore/) habe ich in diesem Zusammenhang den Krautreporter-Chefredakteur Alexander von Streit zitiert, der da sagt, dass Männer in der Regel männerdominierte Netzwerke haben. So etwas beeinflusst dann nicht nur das, was in den Medien steht, sondern natürlich auch sehr viele andere Entscheidungen.

      Du schreibst: „Vielleicht wurden die Romane von Männern ja einfach nur aufgrund ihrer Qualität ausgezeichnet?“ Und Meike Lobo geht in eine ähnliche Richtung, wenn sie unter Deinem Blogbeitrag (s. o.) schreibt: „Frauen schreiben einfach keine Bücher wie Bret Easton Ellis, Henry Miller oder Donald Ray Pollock, dessen “Handwerk des Teufels” gerade auf meinem Nachttisch liegt.“ Das sind jedoch uralte Totschlagargumente, die sich Frauen immer wieder anhören müssen. Und sie stimmen nicht. Es gibt zahlreiche Frauen, die „so wie Männer“ schreiben und/oder herausragende Qualität produzieren, die aber entweder den Weg nicht in die Veröffentlichung finden, weil Verlage behaupten, man würde es ihnen nicht „abnehmen“, als Frau SO schreiben zu können, oder die sich genau deshalb nicht verkaufen.

      Du schreibst: „Wir reden hier von Kunst, und Bewertung von Kunst ist zwar subjektiv, eine Quote hat dabei aber als Kriterium nichts zu suchen.“
      Abgesehen davon, dass ich von einer Quote gar nicht gesprochen habe, ist die Idee ansich aber gar nicht dumm. Denn ohne Quote werden Frauen mit 99 %-iger Wahrscheinlichkeit auch in 99 Jahren noch genauso wenig Preise bekommen. Denn die o. g. lebenslange Prägung durch ein bestimmtes System wird unbewusst von einer Generation an die nächste weitergegeben, was auch die minimalen Fortschritte in Sachen Gleichberechtigung z. T. erklärt. Eine Quote hätte nachweislich (s. jene Länder, in denen Quoten in vielen Bereichen durchaus Erfolg gebracht haben) absolut nichts mit einem von vielen Katastrophentheoretiker_innen befürchteten sofortigen Absinken der „Qualität“ zu tun, sondern gäbe endlich den Frauen, die allein aufgrund ihres Geschlechts (s. o.) abgelehnt werden, ein Podium.

      Du schreibst: „Ansonsten listest du erst mal nur Zahlen auf, die eine altbekannte Tatsache belegen, aber nichts darüber aussagen, ob sich darin eine quasi systemische Benachteiligung erkennen lässt.“

      Es sind erst einmal nur Zahlen, das stimmt. Aber um all diese zahllosen Mechanismen hinter diesen Zahlen vernünftig zu untersuchen, bedarf es einer wissenschaftlichen Studie. Das kann dieser Blog nicht leisten. Er kann und will aber zum Nachdenken anregen, zum Hinterfragen des Status Quo und der eigenen Handlungsweisen. Wenn es in der überwiegenden Mehrzahl Männer sind, die von Preisen, Preisgeldern, Öffentlichkeit und Mehrverkäufen profitieren, und in der überwiegenden Mehrzahl in so gut wie allen Medien vor allem Männer darüber entscheiden, was wir zu lesen bekommen, dann muss man darüber reden. Erst recht, wenn diese Zahlen, wie Du schreibst, so altbekannt sind.

    • Also der Reihe nach: „um jetzt “zufällig” den Sachbüchern männlicher Autoren den Vorzug zu geben, weil Du sie “besser” findest.“ – Ich gebe nicht zufällig Sachbüchern männlicher Autoren den Vorzug. Da kannst du mir jetzt mit Prägungen hin, Prägungen her kommen, ich interessiere mich für Themen, nicht für das Geschlecht des Verfassers. Wenn man Bücher über Landschaftsgeschichte sucht, sind Autorinnen dort eher schwer zu finden. Wenn du dich für Kafkas Biografie interessierst, kommst du an Reiner Stach (der übrigens in diesem Jahr den Sachbuchpreis gewinnen wird) nicht vorbei. Gehts um Digitalisierung, gehören Mercedes Bunz oder Kathrin Passig zu den relevanten Stimmen … Ich streite überhaupt nicht ab, dass es systemische Gründe dafür gibt oder geben kann, dass weit mehr Männer unter den Sachbuchautoren zu finden sind. Der erwähnte männlich dominierte Unibetrieb etc. etc.
      „Ein Mann lässt sich Titel von einem Mann empfehlen.“ Ja. Von Stefan Mesch. Oder von Stefan Geyer. Oder Lothar Struck. Oder von Elisabeth Dietz. Oder von Isabell Bogdan. Oder von Karla Paul. Oder von Mara Giese. Oder von Irina Kramp. Oder von Sophie Weigand. Kurz gesagt: Ich lasse mir Bücher von Menschen empfehlen, die es im Laufe der Zeit geschafft haben, dass ich ihre Empfehlungen einordnen kann und ernst nehme. Stefan Mesch habe ich genannt, nicht weil er ein Mann ist, sondern der umtriebigste Bücherempfehler, den ich kenne. Auf seiner Liste der 20 Bücher, die er für Herbst/Winter bei Ocelot empfohlen hat, stehen übrigens 12 Romane von Frauen.
      „Dass Du versuchst, auch Autorinnen zu lesen, nehme ich Dir durchaus ab.“ – Nö, ich versuche nicht, Autorinnen zu lesen, sondern möglichst viele Bücher, die mich begeistern.
      „Über das z. B., was Du jeden Tag in den Medien siehst, hörst und liest, entscheiden in der Regel Männer.“ Ist so. Weiß ich, bin ja nicht doof. Und deshalb bin ich auch mit vielen Verlagsmenschen, Übersetzern, Kritikern befreundet, um Input aus möglichst vielen Quellen zu bekommen. In diesem, meinem persönlichem Netzwerk, dürfte sich Geschlechterverhältnis mindestens die Waage halten, spontan würde ich sagen, es ist eher weiblich dominiert. Ich bin aber wieder zu faul, das nachzuzählen.
      „Du schreibst: “Vielleicht wurden die Romane von Männern ja einfach nur aufgrund ihrer Qualität ausgezeichnet?” Und Meike Lobo geht in eine ähnliche Richtung, wenn sie unter Deinem Blogbeitrag (s. o.) schreibt: “Frauen schreiben einfach keine Bücher wie Bret Easton Ellis, Henry Miller oder Donald Ray Pollock …“ Frau Meike und ich gehen hier, glaube ich, nicht in eine ähnliche Richtung. Was ich meinte: Vielleicht war „Vor dem Fest“ von Saša Stanišić im letzten Jahr ja einfach der Roman, der der Jury des Preises der Leipziger Buchmesse am besten gefiel? Vielleicht fanden die Jurorinnen Katrin Hillgruber, Susanne Link, Wiebke Porombka und Annemarie Stoltenberg ja, dass „Kruso“ den Deutschen Buchpreis einfach verdient hat? (Ich hätte übrigens für Hettche gestimmt.) In diesem Jahr sitzen wieder vier Frauen in der Buchpreisjury, was bedeutet es, wenn trotzdem wieder weniger Titel von Frauen auf der Long- und Shortlist stehen? Frau Meike meint wohl etwas anderes, ihr geht es tatsächlich um eine männliche Art des Schreibens. Damit tue ich mich als Literaturwissenschaftler schwer.
      „Es gibt zahlreiche Frauen, die “so wie Männer” schreiben und/oder herausragende Qualität produzieren, die aber entweder den Weg nicht in die Veröffentlichung finden, weil Verlage behaupten, man würde es ihnen nicht “abnehmen”, als Frau SO schreiben zu können, oder die sich genau deshalb nicht verkaufen.“ Nun ja, das ist so wie es da steht, eine Behauptung, die du nicht belegst und ich nicht widerlegen kann. Was ich aber sicher weiß: Geschlechtsunabhängig sehen Autoren eine Ablehnung fast immer in der Ignoranz des Verlags, nie in der Qualität des eigenen Werkes begründet.
      „ist die Idee ansich aber gar nicht dumm.“ An dieser Stelle kannst du aufhören, zu argumentieren. Mich brauchst du von einer Quote nicht zu überzeugen, hätte ich darüber zu entscheiden, es gäbe sie längst. Zwar ist eine Quote in der Theorie nur die zweitbeste Möglichkeit, wenn aber die beste, nämlich Freiwilligkeit, nicht funktioniert … Machtverhältnisse lassen sich nicht durch Freiwilligkeit aufbrechen, das hat uns schon Foucault gelehrt. Quoten für Chefetagen, gern auch für Juryzusammensetzungen, nicht aber, und dabei bleibe ich, für die Bewertung eines Kunstwerks.

  5. Moin Petra, warum sollte man für Unterhaltungsromane Buchpreise ausloben? Da du das ja selber trennst, trennst du ja quasi Kunst (=Literatur) von Handwerk (=Unterhaltungsroman). Und warum sollte man Handwerk durch Preise subventionieren? Wenn man davon nicht leben kann, muss man sich halt einen anderen Job suchen. Ganz einfach. Dies ließe sich natürlich auch von Kunst sagen, da ist dann aber eine Frage, ob man eine Kunstlandschaft haben möchte, die nur auf den Markt schielt. Oder ob man sie nicht lieber unter anderem durch Buchpreise subventioniert. Und ganz nebenbei: Niemand wird ja daran gehindert, einen gut dotierten Preis für einen Unterhaltungsroman auszuloben.

    • „warum sollte man für Unterhaltungsromane Buchpreise ausloben?“
      Warum sollte man es nicht tun? Es gibt ja sogar Buchpreise für Wirtschaftsbücher.

      „Wenn man davon nicht leben kann, muss man sich halt einen anderen Job suchen. Ganz einfach.“
      Wenn es danach ginge, würde es aber überhaupt keine Kunst geben, weil das Gros der Kulturschaffenden am Minimum leben muss. Und da viele Frauen, wie Petra ganz richtig schreibt, häufig die Mehrfachbelastung Beruf/Familie/Haushalt haben, würde es von Frauen schon gleich gar keine Kunst mehr geben. Stellt sich also die Frage: wie viel Kunst und Kultur will ein Staat, eine Gesellschaft? Und wie soll die Chancenverteilung dort sein?

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