Mach’s besser: Fußball richtig kommentieren

Mach's besser: Frauenfußball korrekt kommentieren (Foto: DasWortgewand / pixabay)

Die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen bringt manch sprachliches Defizit der Kommentator_innen ans Licht: der Gegner, der Kapitän, der Meister, 2-Mann-Mauer – obwohl es sich um Frauen handelt! Wie also sollte man Frauen-Fußball richtig kommentieren?

Mach's besser: Frauen-Fußball richtig kommentieren (Foto: DasWortgewand / pixabay)
Mach’s besser: Frauen-Fußball richtig kommentieren (Foto: DasWortgewand / pixabay)

Hier ein paar Beispiele vom Viertelfinale Deutschland gegen Frankreich am 26. Juni 2015, live kommentiert von Norbert Galeske im ZDF und am nächsten Tag berichtet von Frank Hellmann für Spiegel Online. In Schwarz liest du, wie sie die Spielerinnen beschrieben haben – in Rotbraun Beispiele dafür, wie es eigentlich richtig wäre:

ZDF:

„2-Mann-Mauer“ –> Zweiermauer

„Mannschaft“ –> Team, Equipe, Auswahl, Frauschaft

„Anja Mittag ist schwedischer Meister geworden.“ –>schwedische Meisterin

„Keiner möchte so richtig gern ins Elfmeterschießen.“ –> Keine

„Nadine Angerer kann ein Kapitel ihrer Torwartgeschichte schreiben.“ –> Torwartin, Torhüterin, Torfrau, Keeperin, Schlussfrau

„Und der Kapitän kommt [zum Elfmeterschießen] heran.“ –> die Kapitänin, Teamführerin, Spielführerin

Spiegel Online:

„Nun wartet der Mitfavorit aus den USA.“ –> die Mitfavoritin, die Mitfavoritinnen

„… und ließen untröstliche französische Akteure zurück.“ –> Akteurinnen

„… um einen eigentlich fußballerisch besseren Gegner aus dem Turnier zu werfen.“ –> … eigentlich fußballerisch bessere Gegnerinnen / ein eigentlich fußballerisch besseres Team

Und warum sollten wir die Fußballerinnen anders bzw. korrekt bezeichnen? Zum einen, weil unsere Grammatik für sehr viele menschenbezogenen Subjekte eine weibliche Entsprechung zur männlichen Form vorschreibt. So wie es den Unterschied Frau/Mann gibt, haben wir in unserer Sprache auch den Unterschied Kapitänin/Kapitän, Torfrau/Tormann, Gegnerin/Gegner, keine/keiner.

Für das Wort „Mannschaft“ gibt es keine weibliche Entsprechung. Deshalb solltest du, um die Frauen korrekt zu bezeichnen, auf andere Worte ausweichen, die nicht allein Männer bezeichnen, z. B. Auswahl, Team oder Equipe.

Eine Freistoßmauer aus zwei Frauen ist … eine 2-Mann-Mauer?

Zum anderen – mal abgesehen von der Absurdität, eine Freistoßmauer aus zwei Frauen als 2-Mann-Mauer zu bezeichnen – habe ich hier auf thea bereits darüber geschrieben, dass Frauen sprachlich kaum noch vorkommen. Sie werden in den Medien kaum erwähnt, und wenn, dann meist nur klischeehaft. Aus der Alltagssprache sind sie weitgehend verschwunden. Kaum jemand macht sich heute noch die Mühe, dem männlichen Plural auch den weiblichen hinzuzufügen, wenn es um eine gemischte Gruppe geht. Dies führt so weit, dass Frauen selbst im Singular häufig mit dem männlichen und nicht dem weiblichen Begriff bezeichnet werden (s. a. „Generisches Maskulinum – na und?„).

Diese mangelnde Präsenz der Frauen in der Sprache zieht sich aber auch durch andere Bereiche. Und nirgends zeigt sie sich – erst recht im Vergleich zu den männlichen Pendants – so deutlich wie im Fußball (s. a. „Zwischen Ignoranz, Beschimpfung und Mansplaining: Was König Fußball uns Frauen lehrt„). Frauen werden im Fußball bspw. fast immer nachrangig behandelt, häufig schlechtgeredet, mit geringeren Honoraren, Boni und Sponsoring versehen, sie müssen als Versuchskaninchen eine ganze WM auf Kunstrasen spielen (was den Männern noch nie zugemutet wurde), und ihre Länderspiele werden so gut wie nie mit dem gleichen medialen Aufwand übertragen und besprochen wie die der Männer. Eine der absurdesten Folgen dieser Ungleichbehandlung ist, dass die höchst erfolgreichen Fußballerinnen nun auch noch von manchen Seiten dafür gescholten werden, dass sie „zu männlich“ spielen.

Wir sollten Frauen ganz selbstverständlich mitsprechen und korrekt bezeichnen

Eine andere Folge ist z. B. diese: wenn Nationaltorhüterin Nadine Angerer demnächst ihren Abschied aus dem Nationalteam nehmen wird, dann wird das mit großer Wahrscheinlichkeit keinen solchen Hype geben wie bei Oliver Kahn. Verdient hätte Angerer, wenn es im Fußball tatsächlich nach Leistung und nicht nach Geschlecht ginge, ein riesiges, rauschendes Fest mit Live-Übertragung ihres Abschiedsspiels zur besten Sendezeit um 20:15 Uhr, Autocorso durch die Stadt, Empfang bei Bürgermeister_in und allem Pipapo.

Denn diese sensationelle Torhüterin hat bereits 140 Länderspiele fürs Nationalteam gespielt – Kahn dagegen lediglich 86. Sie war schon zweifache Weltmeisterin, er lediglich einmal Europameister. Nur bekommt ihre überragenden Leistungen kaum jemand mit, weil sie eine Frau ist und weil Frauen immer seltener vorkommen. Und während Kahn bis heute als „Titan“ bezeichnet wird, haben die Medien nicht einmal einen auch nur ansatzweise daran heranreichenden Begriff für die Elfmeterkillerin Angerer prägen wollen. Es sollte für uns alle jedoch völlig selbstverständlich sein, eine Frau mit derart exzellenter Leistung genauso zu feiern und zu würdigen wie einen Mann. Und selbstverständlich auch ohne dass sie sich für den Playboy auszieht.

Und genau deshalb sollten wir alle, insbesondere wir Frauen, auch auf die vermeintlichen Kleinigkeiten wie die Sprache achten und die Frauen ganz selbstverständlich mitsprechen, miterwähnen und mit den grammatisch korrekten Worten bezeichnen: also Gegnerin, Kapitänin, Meisterin, Torhüterin

Birte Vogel

Birte Vogel

Birte Vogel ist freie Journalistin. Für Medien (Print und online) und Unternehmen schreibt und berät sie in den Themenfeldern Tourismus, Kultur, Natur- und Umweltschutz, Gesellschaft und Gleichberechtigung. Mit ihrem Blog http://wie-kann-ich-helfen.info war sie 2015 Preisträgerin des Aktiv Wettbewerbs. Ihr Porträtband „Hannover persönlich“ wurde 2013 von der Leipziger Buchmesse und neobooks mit einem autoren@leipzig Award ausgezeichnet. 2011 stand sie auf der Shortlist des Schneelöwen Journalistenpreises für einen Artikel über den Dalai Lama in der Neuen Zürcher Zeitung.
Birte Vogel

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