Mach’s besser: „das Amt des Bundespräsidenten“

Momentan wird viel darüber spekuliert, wer als nächstes auf Schloss Bellevue residieren wird. Aber selbst dann, wenn es dabei um eine Frau geht, heißt es, sie werde „das Amt des Bundespräsidenten“ übernehmen. Als ob dann eine Frau ein Amt antreten würde, das eigentlich einem Mann zustünde.

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Dieses Amt hat kein gottgegebenes Geschlecht. (Foto: moerschy/Pixabay)

Nehmen wir als Beispiel den Kommentar „Diesmal muss es eine Bundespräsidentin werden“ von Thorsten Denkler auf sueddeutsche.de. Inhaltlich begrüße ich diesen Artikel, denn Denkler fordert das, was viele Frauen (und Männer) für längst überfällig halten: dass eine Frau dieses Amt antritt.

Sprachlich gesehen lässt sich in der ganzen Debatte vieles verbessern, um dieser Überfälligkeit Rechnung zu tragen und die Sichtbarkeit von Frauen auch in Bezug auf dieses bedeutende Amt sprachlich zu gewährleisten. Denn bloß, weil es bislang ausschließlich Bundespräsidenten gab, heißt das nicht, dass das Amt auch sprachlich derart eingeschränkt bezeichnet werden muss.

Dieses Amt hat kein Geschlecht

Wie ich schon zu Theanolte Bähnisch, der ersten Regierungspräsidentin Deutschlands, schrieb (nach der dieser Blog auch benannt ist): die männliche Besetzung von Ämtern ist nicht gottgegeben. Sie muss und sollte dementsprechend selbstverständlich auch nicht automatisch männlich bezeichnet werden, denn dieses Amt hat kein Geschlecht. Dennoch wird überwiegend die männliche Bezeichnung gewählt. Leider auch in Denklers Artikel.

Wie geht es besser? Zum Beispiel so (mit Zitaten aus dem oben verlinkten Artikel):

  • „Wahl zum Bundespräsidenten“:
    Wahl fürs Bundespräsidialamt; Wahl zur Nachfolge des Bundespräsidenten
  • „Kanzlerin Angela Merkel tut sich offenbar schwer, selbst einen Kandidaten zu finden“:
    eine_n Kandidat_in zu finden; … tut sich offenbar schwer mit Vorschlägen/einem Vorschlag für dieses Amt
  • „Doch SPD und Grüne würden sich einer herausragenden Frau im Amt des Bundespräsidenten nicht verschließen können“:
    im Amt der Bundespräsidentinim Bundespräsidialamt; an der Spitze des Bundespräsidialamtes.

Diese Vorschläge sagen nicht 100%-ig das aus, was das generische Maskulinum aussagt. Aber genau das ist auch der Sinn. Denn das generische Maskulinum wird nachweislich beim Lesen und Hören überwiegend als biologisches Maskulinum interpretiert (siehe auch „Generisches Maskulinum – na und?“). Seine Nutzung besagt also: in dieses Amt „gehört“ ein Mann.

Ein Mann aber mag in der Villa Hammerschmidt im Jahr 1950 Normalität gewesen sein. Für das Jahr 2016 und für Schloss Bellevue ist aber eine permanent männliche Nachfolge genauso wenig akzeptabel wie die permanent männliche Bezeichnung dieses Amtes.

Birte Vogel

Birte Vogel

Birte Vogel ist freie Journalistin und Autorin und hat für ihre Arbeit mehrere Auszeichnungen erhalten. Sie schreibt Bücher, Reden, Web- und Blogtexte für Unternehmen und sie coacht Sachbuchautor_innen von der Idee bis zum fertigen Buch. Mehr zu ihrer Arbeit gibt's auf http://nordsee-text.de.
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