Mach’s besser: Alles Wahlmänner in den USA?

Gab es bei der Päsidentschaftswahl wirklich nur Wahlmänner? (Foto: JamesDeMers, pixabay.com)

Die US-Wahlen sind vorbei, Sexismus hat über Erfahrung und politische Fähigkeiten gesiegt. Aber nicht nur in den USA. Auch hier wird Sexismus frei und ungehindert ausgelebt, allen voran in der Berichterstattung. Gestern ging es viel um die „Wahlmänner“, englisch: „electors“. Aber stimmt das denn, sind es wirklich alles WahlMÄNNER in den USA?

Gab es bei der Päsidentschaftswahl wirklich nur Wahlmänner? (Foto: JamesDeMers, pixabay.com)
Gab es bei der Päsidentschaftswahl wirklich nur Wahlmänner? (Foto: JamesDeMers, pixabay.com)

Der amerikanische Journalist Peter Beinart hat in „Fear of a Female President“ in The Atlantic schon Wochen vor der Wahl sehr eindrücklich die alberne Angst männlicher Amerikaner vor einer Entmannung beschrieben (wer den Artikel noch nicht kennt und immer noch meint, Clintons Niederlage habe nichts oder nur wenig mit Frauenfeindlichkeit zu tun, sollte ihn unbedingt lesen).

Eine sehr ähnliche Angst muss unter den Kolleg_innen umgehen, die hier in deutschen Medien über diese sehr besondere Wahl berichteten. Das fing schon damit an, dass ein deutscher Journalist die erste weibliche Kandidatin, Hillary Clinton, herablassend als Großmutter bezeichnete (ich schrieb darüber). Und es hörte in der Wahlnacht noch immer nicht auf. In jedem Artikel, den ich gelesen habe, in jedem medialen Tweet und Facebook-Post in meiner Timeline zur Auszählung der Stimmen war die Rede von „Wahlmännern“.

Wen stellst du dir vor, wenn du das Wort „Wahlmänner“ hörst? Anita McKinzie vielleicht? Und Lizz Bennet und Barbara Grimm Marshall? Oder sind „Wahlmänner“ doch eher Gregory Lee, Jonathan Barnett und Edward Robson? Alle sechs sind Teil des „Electoral College 2016“, das den neuen Präsidenten wählen wird.

Mindestens ⅓ der „Wahlmänner“ waren Frauen

Alles Männer also? Nein, eben nicht. Unter den 538 „presidential electors“ im Jahr 2016 waren geschätzt mindestens ⅓ Frauen.

Sie im Jahr 2016 als „Wahlmänner“ zu betiteln ist genauso sexistisch wie die Kampagne, die Trump gefahren hat. Und es ist so ewiggestrig wie die Paranoia der Männer, ihre Männlichkeit zu verlieren, wenn eine Frau in der Hierarchie höher steht als sie. Nicht zuletzt: der Begriff schließt Frauen per se von diesem Amt aus, im Schreiben, im Hören und im Denken.

Welche Möglichkeiten gäbe es stattdessen? Zum Beispiel diese:

  • Wahlleute
  • Wahlfrauen und -männer.

Ganz einfach.

Birte Vogel

Birte Vogel

Birte Vogel ist freie Journalistin. Für Medien (Print und online) und Unternehmen schreibt und berät sie in den Themenfeldern Tourismus, Kultur, Natur- und Umweltschutz, Gesellschaft und Gleichberechtigung. Mit ihrem Blog http://wie-kann-ich-helfen.info war sie 2015 Preisträgerin des Aktiv Wettbewerbs. Ihr Porträtband „Hannover persönlich“ wurde 2013 von der Leipziger Buchmesse und neobooks mit einem autoren@leipzig Award ausgezeichnet. 2011 stand sie auf der Shortlist des Schneelöwen Journalistenpreises für einen Artikel über den Dalai Lama in der Neuen Zürcher Zeitung.
Birte Vogel

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